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Kommentar:Münchner Fingerzeige

Nordische Ski-WM Seefeld - Doping-Skandal

Ein Polizeiauto fährt während der Nordischen Ski-WM an einem Mannschaftshotel vorbei. Bei einer Razzia während der WM in Österreich und zeitgleich in Thüringen hoben Ermittler ein mutmaßliches Doping-Netzwerk aus.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Neun Monate nach der Razzia von Seefeld fielen erste Urteile in Österreich eher dezent aus. Doch die Kündigung des Trainers Lehmann-Dolle am Stützpunkt Berlin zeigt: Die Operation Aderlass bleibt eine wichtige Vorlage für die Zukunft der Betrugsbekämpfung.

Es war ein großer Aufschlag Anfang des Jahres, der erste seiner Art, als während der Ski-Nordisch-WM in Seefeld deutsche und österreichische Strafbehörden eine ziemlich ergiebige Doping-Razzia vollzogen; das Bild des heillos verdatterten Langläufers Max Hauke, den die Bundespolizisten auf frischer Tat noch mit der Infusionsnadel im Arm ertappt hatten, ging um die Welt. Im Zuge der "Operation Aderlass" wurde ein Blutdoping-Netzwerk rund um den Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt ausgehoben, bisher 21 Betrüger konnten ermittelt werden über Dutzende fachmännisch eingefrorene Blutbeutel und andere Beweismittel. Und abgeschlossen sind die Untersuchungen noch immer nicht.

Wie hilfreich es ist, wenn staatliche Instanzen den Dopingmachenschaften auf den Grund gehen, zeigt sich soeben an der Entlassung des Eisschnelllauf-Trainers Robert Lehmann-Dolle am Olympiastützpunkt Berlin (OSP). Der 35-jährige Erfurter soll ebenfalls in die Affäre verwickelt sein, Lehmann selbst hält sich dazu bisher sehr bedeckt. Doch während das sportrechtliche Verfahren der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada noch läuft, hat sich sein Arbeitgeber via Akteneinsicht um detailliertere Informationen bei der parallel ermittelnden Staatsanwaltschaft bemüht. Auf einer derartigen Grundlage lassen sich auch knifflige arbeitsrechtliche Fragen schneller abhandeln. Insbesondere, steht zu vermuten, wenn ein Betroffener intensiv mit Nachwuchssportlern zu tun hatte.

Operation Aderlass bleibt also ein wichtiger Trailer für die Zukunft der Betrugsbekämpfung - auch wenn zwischen deutschen und österreichischen Vertretern mittlerweile leise Spannungen auftreten. Letztere bemängeln ein allzu schleppendes Arbeitstempo im Nachbarland, sie selbst sind ja flott zur Tat geschritten und haben erste Urteile verhängt. Langläufer Hauke erhielt eine fünfmonatige Bewährungsstrafe, vor dem Landesgericht Innsbruck hatte er Blutdoping und die Einnahme von Wachstumshormon gestanden. Zuvor kassierte die Mountainbikerin Christina Kollmann-Forstner eine Bewährungsstrafe von acht Monaten.

Aus deutscher Sicht wirken die Strafmaße recht dezent, die da im österreichischen Ski-Bundesland Tirol gepflegt werden. Im Übrigen liegt die Sache hierzulande anders: Während in Austria einfache Verfahren zu einzelnen Athleten, deren Vergehen teilweise bildhaft belegt sind, stattfinden, muss sich die deutsche Strafjustiz mit dem komplexen, grenzübergreifenden Netzwerk hinter der Affäre befassen. Sollte also die Münchner Staatsanwaltschaft tatsächlich, wie ihr Chef Kai Gräber jüngst ankündigte, um die Jahreswende Anklage gegen den Arzt erheben, wäre dies ein wahrhaft rasantes Tempo.

Und sicher ist: Käme es zu einer Verurteilung des seit Februar in U-Haft sitzenden Arztes und seiner mutmaßlichen Helfer, würde dies wesentliche Fingerzeige auch in der Frage liefern, wie die österreichische Justiz ihr Anti-Doping-Gesetz anwendet: wirklich entschlossen - oder doch eher in mildtätiger Nachsicht.

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