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Kommentar:Generöses für den Profisport

Es ist richtig, dass die Politik in Corona-Zeiten auch Profiklubs außerhalb des Fußballs unterstützt. Doch die neueste Hilfszusage geht in einen Bereich, der unangemessen wirkt.

Von Johannes Aumüller

Am vergangenen Freitag hatten die Fachpolitiker des Bundestages für den deutschen Profisport zwei bemerkenswerte Zahlen parat. Die erste: Auch 2021 steht den Klubs aus den obersten drei Spielklassen aller Sportarten - die Erst- und Zweitligavertreter des Männerfußballs ausgenommen - ein Corona-Hilfstopf in Höhe von 200 Millionen Euro zur Verfügung. Die zweite: Jeder einzelne Verein, vor allem jeder große, kann bis zu 3,8 Millionen Euro erhalten.

Nun sind die Vertreter vieler Klubs seit Freitag eifrig dabei, zu eruieren, wie viel Geld konkret für sie herausspringen könnte. Das Thema ist in seinen Verästelungen kompliziert, und manch ein Verein bekommt am Ende vielleicht weniger, als er im ersten Moment hofft. Aber ganz generell ist es erstaunlich, wie weitreichend der Staat die Steuerzahler-Schatulle für den Profisport öffnet.

Es ist richtig, dass die Politik in Corona-Zeiten auch den professionellen und semiprofessionellen Ligabetrieb finanziell unterstützt - die Frage ist nur, wie er das tut. In der ersten Hilfsrunde 2020 gab es eine klare Begrenzung. Die Klubs konnten nur einen Ausgleich für entgangene Ticketeinnahmen geltend machen: bis zu 80 Prozent der entgangenen Erträge, maximal 800 000 Euro. Auch deswegen wurde der 200-Millionen-Topf im laufenden Jahr nur zu etwas mehr als einem Drittel ausgeschöpft. Aber künftig ist es den Klubs möglich, zusätzlich dazu für die Deckung anderer Fixkosten bis zu drei Millionen Euro zu beantragen. Salopp formuliert: Wenn der Sponsor abspringt, soll zur Not halt der Staat einspringen.

Damit begibt sich die Politik in einen Bereich, in dem die Unterstützung unangemessen wird. Es ist das eine, kleinere und mittlere Vereine so durch die Krise zu geleiten, dass sie weiter existieren können. Es ist aber etwas anderes, Branchenführer aus Basketball, Handball, Eishockey oder Vertreter der dritten Fußball-Liga mit einer Zuwendung von bis zu vier Millionen Euro zu beglücken.

Da fallen einem in der Corona-Zeit andere Prioritäten ein. Und wenn diese Klubs so hohe Beträge benötigen, wäre es passender, wenn diese als (zinsloses) Darlehen fließen und nicht als geschenkte Zuwendung. Zugleich lohnt ein Blick in die Schweiz. Auch dort hat die Politik einen Corona-Fonds aufgelegt. Aber erstens gibt es die Hilfen nur für Einbußen im Ticketbereich, zweitens müssen die Klubs Gegenleistungen erfüllen. Dazu zählt, die Löhne oberhalb von 148 000 Franken (zirka 137 000 Euro) um mindestens 20 Prozent zu kürzen und vollständige Transparenz über die Verwendung des Geldes zu schaffen. Aber auch, dass sich die Klubs verpflichten, das Engagement im Breitensport mindestens fünf Jahre lang in dem Umfang wie vor Corona weiterzuführen. Solch eine Vorgabe wäre auch für Deutschlands Profivereine angemessen.

© SZ vom 01.12.2020
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