Karlsruhe Ohne Kredit

Muss in Karlsruhe seit der verlorenen Aufstiegs-Relegation mit überzogenen Ansprüchen leben: Trainer Markus Kauczinski.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Trainer Markus Kauczinski muss seit der verlorenen Aufstiegs-Relegation mit überzogenen Ansprüchen leben - und will am Saisonende aufhören.

Von Christoph Ruf, Karlsruhe

Als sein Freiburger Kollege Christian Streich nach dem 1:1 im Baden-Derby am Sonntag schon auf dem Weg zur Trainertagung in Leverkusen war, stand Markus Kauczinski noch immer im Kreis der Journalisten: auskunftsfreudig und ironisch wie immer - und gut gelaunt wie fast immer. Tags darauf, da waren sich die Beobachter sicher, würde der KSC nach der abschließenden Verhandlungsrunde die Vertragsverlängerung mit Kauczinksi bekanntgeben. Aber die Mitteilung vom Montag hatte eine andere Überschrift: "Markus Kauczinski wird seinen Vertrag als Cheftrainer zum 30.06.2016 beenden."

In Karlsruhe herrscht nun Ratlosigkeit, zum Teil auch bei eifrigen Forums-Nutzern, die zuletzt nach jedem Spiel Aufstellung, Taktik und alles andere in Frage gestellt hatten - und den Trainer sowieso. Es scheint so zu sein, als seien die seit jeher überzogenen Erwartungen im KSC-Umfeld durch die Ereignisse dieses Jahres noch mal ins Unermessliche gestiegen. Im Juni stand der KSC ja schon fast in der ersten Liga - bis ein sonderbarer Freistoßpfiff dem Relegationsgegner HSV doch noch zum Klassenerhalt verhalf - und Karlsruhe auf den Boden der Tatsachen zurückwarf. Beim besonnenen Teil der Fans war die Trauer auch deshalb so groß, weil man ahnte, dass solch eine Chance so schnell nicht wieder kommen würde. Nicht mit einem Etat, der auch in dieser Spielzeit allenfalls im Zweitliga-Mittelfeld liegt.

"Ich habe nicht damit gerechnet, dass alles automatisch glatt laufen würde", sagt Kauczinski. Dennoch hoffte er, das HSV-Trauma schneller zu überwinden. Doch kurz danach hatte fast eine komplette KSC-Elf Angebote von Konkurrenten: Die drei bekanntesten Spieler, Reinhold Yabo (Salzburg), Philipp Max (Augsburg) und Torjäger Rouwen Hennings (Burnley), gingen; andere Leistungsträger waren wochenlang im Formtief - und Dimitros Diamantakos, für Hennings verpflichtet, verletzte sich, ehe er eine Minute spielte. Dass ein Saisonstart unter diesen Voraussetzungen stottern kann, sah aber offenbar nicht jeder im Präsidium ein. Schon Anfang August, nach dem Pokal-Aus in Reutlingen, mussten Kauczinski und Sportdirektor Jens Todt zum Rapport, die Vertragsverhandlungen mit dem Coach wurden auf Eis gelegt. Beiden, so hört man im KSC-Umfeld, stieß es übel auf, wie wenig Kredit ihnen nach der so erfolgreichen vergangenen Saison eingeräumt wurde.

Dass auch er gerne eine Weiterentwicklung gesehen hätte, dementiert Kauczinski nicht ("manche Erwartungen wurden enttäuscht"). Doch weder in die veraltete Infrastruktur noch in den Kader konnte der KSC im Sommer investieren. Die Erwartungen waren dennoch so hoch, dass das Präsidium sich nicht traute, ein Übergangsjahr anzukündigen - damit mussten Trainer und Sportchef klarkommen. Präsident Ingo Wellenreuther betont indes, man sei vom Abschied des Trainers "überrascht, weil der KSC den gemeinsamen erfolgreichen Weg gerne fortgesetzt hätte."

Kauczinski betont, er sei "seit 14 Jahren im Verein" und habe "das Gefühl, dass etwas Neues kommen muss." Sein angekündigter Rückzug kommt aber zu einem unerwarteten Zeitpunkt: In drei Spielen holte der KSC zuletzt Rückstände auf, in Boubacar Barry und Grischa Prömel stehen die nächsten vielversprechenden Talente vor dem Sprung in die erste Elf - es geht also aufwärts. So schätzt es auch Kauczinski ein, der die Saison erfolgreich beenden will: "Das wäre ein schöner Abschluss.".

Der KSC hatte schon im Jahr 2009 lange gebraucht, um einen Trainer zu ersetzen, der an überzogenen Erwartungen gescheitert war. Ede Becker, der den KSC zwei Jahre in der Bundesliga hielt, musste in der Zweiten Liga gehen. Er hatte die ersten beiden Spiele verloren.