Jenson Button Langsam ausrollen nach langer Reise

Nimmt sich nach Saisonende eine Auszeit: Der Brite Jenson Button.

(Foto: Mark Thompson/Getty Images)

Der Brite legt nach dieser Formel-1-Saison ein Sabbatical ein, beim Rennen in Malaysia erlebt der Ex-Weltmeister noch mal etwas Besonderes: Er fährt sein 300. Rennen.

Von Elmar Brümmer

Ein Rennstall-Besitzer wie Ron Dennis, der im Hotelzimmer die Bilder an der Wand zurechtrückt, überlässt nichts dem Zufall. Weshalb der Hinweis in der Pressemitteilung des McLaren-Teams zum Großen Preis von Malaysia sicher kein Zufall ist. In der Rubrik mit Wissenswertem zum Rennen wird unter der Überschrift "Sie fühlen sich alt? Das macht sie jünger" herausgestellt, dass der Regenwald in Malaysia mehr als 130 Millionen Jahre alt ist. Typischer kann britischer Humor kaum sein, um auf das Ereignis des 16. WM-Rennens hinzuweisen: Bei diesem feierte Jenson Button seinen 300. Grand Prix - mit Platz 9.

Eine seltene Marke im Formel-1-Geschäft, nur Ausdauer-Spezialist Rubens Barrichello (322) und Michael Schumacher (306) haben sie in den letzten 60 Jahren knacken können. Button legt zwar Wert darauf, dass er zum Saisonende nicht zurücktreten, sondern nur ein Sabbatical einlegen wird - aber sollte er mit 36 tatsächlich für immer in Renn-Rente gehen, dann wird er mit 305 Rennen in der Marathon-Wertung auf Rang drei bleiben.

Der Ex-Weltmeister hat nur deshalb noch einen Vertrag als "Entwicklungsfahrer und Botschafter" von McLaren bekommen, weil man sich im Team nicht sicher ist, ob Fernando Alonso an Bord bleibt. Der Spanier ist noch genervter von den technischen Schwächen des Honda-Hybrid-Antriebs. In Sepang startet Alonso nach diversen Komponentenwechseln von ganz hinten, Button hingegen schaffte als Neunter immerhin den Sprung in die Top Ten - gute 1,7 Sekunden hinter der Bestzeit von Lewis Hamilton, der mit dem Silberpfeil alle düpierte, seinen zweitplatzierten Kollegen Nico Rosberg inklusive.

Unter dem Tod des Vaters leidet er noch immer

McLaren hat seinen Pavillon am Sepang International Circuit zur Feier des Tages in einen Pub verwandelt. Dazu wird ein Bier mit dem fiktiven Logo eines Knopfs gereicht - ein dezentes Spiel mit dem Namen. "Es war eine großartige Reise", bilanziert der Champion von 2009, "und ich habe mir nie vorstellen können, dass ich so eine lange Zeit mitfahren würde. Als Rubens seinen 300. Einsatz gefeiert hat, dachte ich noch, dass das eine unglaubliche Marke ist." Er schmunzelt, als er sich an die Antwort erinnert, die er seinem Vater John mit 20 gegeben hat, als er zur Jahrtausendwende sein Debüt gab: "Dad, ich höre mit 30 auf..." Erster Teamkollege damals im BMW Williams war Ralf Schumacher.

Auf seinen ersten Formel-1-Triumph musste Button 113 Rennen lang warten, seine Teamwahl war nicht immer die glücklichste. Der Ausdauertrick des exzellenten Triathleten auf der Rennstrecke lautet: "Meine Karriere hatte gute und schlechte Zeiten. Entscheidend ist, dass man über den negativen Dingen steht - und die guten Zeiten intensiv genießt. Denn man weiß ja nie, wie lange die anhalten."

Die Garantie für letzteres waren Buttons Playboy-Gemüt und der von Anfang an mitreisende Vater John, der mit seinem rosafarbenen Hemd zum Maskottchen des Fahrerlagers und als "Papa Schlumpf" verehrt wurde. Button senior starb vor zwei Jahren, unter dem Verlust leidet Jenson Button noch heute. Seine Ehe mit dem japanischen Model Jessica Michibata, erst Ende 2014 geschlossen, ging nach nur einem Jahr in die Brüche. Das mag alles mit zu der Entscheidung beigetragen haben, sich nun langsam zurückzuziehen.

Der neue Renn-Nachwuchs kündigt sich bereits an

Vor allem aber brauchte das britische Team ein Cockpit für den Belgier Stoffel Vandoorne, 24, der als ebenso großes Talent wie Max Verstappen gilt. Buttons Abschied unterstreicht den anstehenden Generationswechsel in der Formel 1, auch Felipe Massa räumt zum Saisonende sein Cockpit bei Williams. Mit 35 und dann 250 Rennen. Verstappens überzeugender Auftritt, der unmittelbar nach der Beförderung vom Talentschuppen Toro Rosso zu Red Bull Racing seinen ersten Grand-Prix-Sieg einfuhr, macht in der Branche Mut zur Verjüngungskur. Ron Dennis würde gern die eigene Erfolgsgeschichte wiederholen, er hatte einst Lewis Hamilton im Go-Kart entdeckt und so lange gefördert, bis dieser zum Weltmeister ausgebildet war.

Weiterer Renn-Nachwuchs kündigt sich schon an. Massas Nachfolger bei Williams könnte der Kanadier Lance Stroll werden, der noch keine 18 Jahre alt ist. Mercedes hat in Pascal Wehrlein, 19, und Esteban Ocon, 21, zwei Junioren zu rasenden Lehrzwecken bei Manor geparkt. Immer früher definieren sich die Karrieren, bei McLaren wird Vandoorne nach Buttons Ansicht schon im ersten Jahr entsprechenden Druck verspüren: "Hat er keinen Erfolg, wird das Konsequenzen haben." Vandoorne hat im Frühjahr bereits einmal ausgeholfen, als Fernando Alonso nach seinem Auftakt-Crash nicht starten durfte - und wurde gleich Zehnter. Bange machen gilt bei dieser next generation nicht.