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Jan Ullrich:Vier Tage Sportchef

Jan Ullrich; Jan Ullrich

Jan Ullrich, 43.

(Foto: Ennio Leanza/dpa)

Nach heftiger Kritik gibt Jan Ullrich seinen Posten als Sportlicher Leiter beim Rad-Rennen "Rund um Köln"wieder auf.

Wenn man Jan Ullrich richtig versteht, war sein Engagement als Sportlicher Leiter beim Rennen "Rund um Köln" durchaus ein Erfolg. Viele Radsportbegeisterte, Medien, auch Sponsoren hätten "sehr positiv" darauf reagiert, dass er in die Branche zurückkehren werde, teilte Ullrich am Freitag via Facebook mit. Es gebe nur ein Ärgernis: "Einige wenige Medien können offensichtlich nicht damit umgehen", schrieb der 43-Jährige. Er ergänzte: "Daher trete ich nach Rücksprache mit dem Veranstalter zurück." Vier Tage nach seinem Antritt.

Einige wenige Medien? Tatsächlich hatte Ullrichs Comeback auf die Profibühne ein geteiltes Echo hervorgerufen, auch Sponsoren des Kölner Rennens hatten sich zurückhaltend geäußert. Ullrich hatte seine Karriere vor zehn Jahren stillgelegt, nachdem er als Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes enttarnt worden war. Der Internationale Sportgerichtshof sperrte Ullrich 2012 für zwei Jahre - erst jetzt gab er zu, mit Fuentes in Kontakt gestanden zu haben. Später räumte der bislang einzige deutsche Tour-de-France-Sieger ein, dass er von dem spanischen Mediziner behandelt worden war. Bis zuletzt sagte er dazu kaum etwas.

Dabei hätte Ullrich einiges zu erzählen: Wie er in den Betrug getrieben wurde, "um Chancengleichheit herzustellen", welche Rolle Betreuer, Ärzte und sein Team spielten, die ihn fallen ließen, als seine Verbindung zur Madrider Blutbank publik wurde. Dort lagerten nicht nur Blutbeutel von Radsportlern, es ging stets auch um große Namen aus Fußball, Tennis, Leichtathletik. Aber Ullrich schwieg, schützte damit ein System, als dessen Opfer er sich sah. Schlechte Referenzen also, um eine Führungsposition in einem Sport zu bekleiden, der sich seit Jahren um einen Imagewandel bemüht, mit Profis wie Marcel Kittel, André Greipel, Tony Martin, John Degenkolb. Als Symbol dafür steht auch die 104. Tour de France, die am 1. Juli in Düsseldorf beginnt. Wobei in vielen Teams nach wie vor ehemalige Dopingsünder aktiv sind, oft in leitenden Positionen.

Organisator Artur Tabat bedauerte Ullrichs Absprung. "Jeder hat eine zweite Chance im Leben verdient", sagte Tabat dem Express. Seine Kommentare nach Ullrichs Verpflichtung hatten ebenfalls Kritik provoziert: "Schauen Sie sich an, was in Russland mit Doping passiert. Da war das früher doch harmlos", hatte Tabat mit Blick auf den Radsport gesagt. "Ich habe immer gegen Doping gekämpft", wehrt er sich nun. Und Ullrich? Richtete aus, dass er Tabat nur einen Gefallen tun wollte. Er habe nie in den Radsport zurückgewollt, schrieb er, "da ich diese Bühne nicht brauche".