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Hoffenheim - Mainz (18 Uhr):Endlich auf Augenhöhe

Trainer Sandro Schwarz Mainz Portrait Nach Vorgaben der DFL Deutsche Fuï¬,ball Liga ist es u; sandro schwarz

Trainer Sandro Schwarz ist in seiner zweiten Saison als Trainer deutlich aktiver.

(Foto: imago)

In seiner zweiten Saison hat sich der Mainzer Trainer Sandro Schwarz in der Liga etabliert. Unter ihm und dem Sportvorstand Rouven Schröder gewinnt Mainz an Profil - und will nicht mehr unterschätzt werden.

Luka Jovic erzielte Mittwochnacht beim 2:2 im munteren Rhein-Main-Derby beim FSV Mainz 05 seine Saisontore elf und zwölf für Eintracht Frankfurt. Der hochbegabte Serbe führt damit die Torschützenliste der Bundesliga an. Nach dem Spiel fragte ein Reporter den Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder: Die drei Frankfurter Stürmer Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller könne man eben nicht ausschalten, oder? Auf diese Frage reagierte Schröder allergisch, der Mainzer Sportchef entgegnete genervt: "Wir haben doch auch zwei gute Stürmer, oder?" Stimmt schon, der schlaksige Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta bot erneut eine kraftvolle Leistung mit vielen guten Aktionen und der quirlige Robin Quaison erzielte beide Mainzer Treffer.

Vor dem Vorrundenfinale an diesem Sonntag in Hoffenheim haben die Mainzer keine Lust, sich kleiner zu machen, als sie sind. Das tönte nicht nur aus Schröders Gegenfrage. Mittelfeldspieler Danny Latza findet, dass seine Elf "bisher immer auf Augenhöhe mit allen in der Liga" gespielt habe. Und Vereinsvorstand Stefan Hofmann erkannte in der Leistung des FSV gegen Frankfurt eine "Bestätigung der guten Vorrunde" und dass "wir gefühlt vielleicht noch mehr als 20 Punkte haben könnten". "Aber", so hofft Hoffmann, "vielleicht gelingt uns ja in Hoffenheim noch eine Überraschung." Man darf den Mainzern für ihre Entwicklung durchaus Respekt zollen: Nach den Weggängen von Abdou Diallo (Dortmund), Suat Serdar (Schalke) und Yoshinori Muto (Newcastle) füllte sich zwar das Bankkonto - der Klub erwirtschaftete im Sommer einen Transferüberschuss von rund 25 Millionen Euro - aber nach einem nervenaufreibenden Abstiegskampf in der ersten Saison des vom Nachwuchs- zum Proficoach beförderten Sandro Schwarz gab es durchaus auch berechtigte Fragezeichen. Doch in den vergangenen zehn Monaten konnten Trainer und Sportvorstand stark an Profil gewinnen. Und der Verein insgesamt hat nach einem schwierigen Umstrukturierungsprozess nun wieder seine Mitte gefunden.

Ausbau nach Aufbau

Das zeigt sich auch in der Vertragsverlängerung von Schröder, der am Mittwoch seinen Kontrakt bis 2022 ausweitete. Schröder, 43, wirkte daher angriffslustig, er sagte: "Der Mainzer Standort ist spannend, die Entwicklung im Verein und in der Mannschaft stimmen." Und: "Wer was aufbaut, will auch weiterbauen." Der Sauerländer hatte im Frühjahr durchaus über ein Angebot vom HSV nachgedacht. Trotz der Kritik von Fans und aus dem Aufsichtsrat führte er den Verein zusammen mit Trainer Schwarz erfolgreich durch die Krise. Nun sagt Aufsichtsratsboss Detlev Höhne, Schröder sei "genau die richtige Persönlichkeit in der sportlichen Verantwortung". Das darf man auch über Sandro Schwarz sagen, der seine Führungsrolle als sportliches Gesicht des Vereins in seiner zweiten Runde in der Bundesliga deutlich aktiver spielt, er sagt: "Kontinuität ist wichtig. Ich freue mich über die Wertschätzung für Rouven, er hat schwere Zeiten durchgemacht."

Schwarz absolvierte am Mittwoch sein 50. Spiel als Bundesligacoach. Er hat sich, wie seine Mannschaft, in der Liga etabliert und Spieler wie Team weiterentwickelt. Der 40-Jährige ist taktisch flexibel, wenngleich aktuell die 4-4-2-Grundordnung mit einer Raute im Mittelfeld am besten zu seiner Auswahl passt. Am deutlichsten ist der Aufwärtstrend in der Offensivleistung zu spüren: Mainz mauert nicht, Mainz spielt mutig nach vorne. Schwarz fordert auch in Hoffenheim von seiner Mannschaft eine selbstbewusste Herangehensweise: "Mit breiter Brust und offenem Visier." Der ehemalige niederländische Nationalspieler Jean-Paul Boetius, 24, ist in der Offensive auf der Zehnerposition eine ideale Ergänzung zum wuchtig-wilden Mateta, 22, und dem raffinierten Quaison, 25.

Der Schwede Quaison, der im Sommer 2017 aus Palermo kam, traf zuletzt zweimal gegen Frankfurt. "Wenn Robin so spielt, ist er einer, der bald komplett hier rauswächst", sagte Schröder daher am Mittwoch. Stimmt schon: Auch seine Mainzer haben Spieler, die an guten Tagen jeden Gegner ärgern können.