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Handball:Flensburg überrascht Paris

Marius Steinhauser (SG Flensburg-Handewitt) HANDBALL : Paris Saint-Germain HB vs SG Flensburg-Handewitt - EHF Champions

Wurfstark: Flensburgs Marius Steinhauser traf fünf Mal.

(Foto: Kevin Domas/Imago)

"Man hat gesehen, dass wir mit dieser Mannschaft noch viel erreichen können": Dem Bundesligisten gelingt der zweite Sieg im zweiten Spiel in der Champions League - gegen einen der Turnierfavoriten.

Da hat die SG Flensburg-Handewitt einen Coup gelandet. Das überraschende 29:28 (14:18) in der Champions League bei Mitfavorit Paris Saint-Germain hatte jegliche Müdigkeit beim Handball-Bundesligisten vertrieben. "Es ist überragend, in Paris zwei Punkte zu holen", sagte Trainer Maik Machulla. "Großartig! Niemand hatte von uns einen Sieg erwartet", meinte der Schwede Hampus Wanne, mit acht Toren bester Werfer. Sieggaranten waren zudem Marius Steinhauser (fünf Tore) sowie der bosnische Nationaltorwart Benjamin Buric, der als bester Spieler der Partie ausgezeichnet wurde.

Die Flensburger waren schon kurz nach Abpfiff in den Flieger gestiegen, um über das dänische Sonderborg nach Hause zu reisen - um 4 Uhr früh am Donnerstagmorgen waren sie zu Hause. Wenn sie auch gern in Paris den Erfolg genossen hätten, so war ihnen die rasche Heimkehr wichtiger: Paris ist wegen stark steigender Corona-Zahlen als Risikogebiet eingestuft worden, trotzdem wurden 954 Zuschauer gezählt. Die schnelle Rückkehr bewahrt das Team zudem vor einer Quarantäne, die alle Pläne über den Haufen werfen würde.

Denn schon am Samstag steht in Düsseldorf der Supercup gegen den Nordrivalen THW Kiel an (20.30 Uhr, live bei Sky). Die Generalprobe dazu ist dem THW am Donnerstagabend in der Champions League misslungen. Gegen HBC Nantes gab es im zweiten Spiel ein unerwartetes 27:35 (12:15). Beste Werfer vor den 1523 Zuschauern in der Kieler Arena waren Sander Sagosen, Hendrik Pekeler, Niclas Ekberg und Magnus Landin mit je vier Toren für Kiel sowie der Spanier Valero Rivera mit zehn Treffern für die Franzosen. Flensburg hingegen verbuchte beim siebten Ausflug nach Paris erstmals einen Sieg.

"Ich bin stolz auf Mannschaft und Trainerteam", sagte Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Trainer Machulla war eigentlich mit großen Problemen in die Saison gestartet. Die Kreisläufer Johannas Golla (Mittelfußbruch) und Jacob Heinl (Innenbandriss) sind verletzt, Simon Hald als nächster Kreisspieler ist nach überstandenem Kreuzbandriss noch nicht auf dem Niveau. Doch es läuft besser als erwartet. "Man hat gesehen, dass wir mit dieser Mannschaft noch viel erreichen können", sagte Machulla. Der Auftaktsieg in der Champions League gegen KS Kielce (31:30) habe dem Team "enorm viel Selbstvertrauen gegeben", so Schmäschke: "Wir hatten doch vorher fast 200 Tage kein Pflichtspiel." Bei Kielce stand zudem der deutsche Nationalkeeper Andreas Wolf im Tor.

Dass die SG zum Favoritenkreis in der Königsklasse aufschließt, sieht Schmäschke nicht: "Klar wollen wir nach Köln zum Final Four, aber es sind so viele Top-Mannschaften dabei." Der Anreiz ist in diesem Jahr besonders groß, 6,3 Millionen Euro werden insgesamt ausgeschüttet. Wer am Ende oben steht, verdient eine Million Euro - im Handball in diesen Zeiten eine Wahnsinnssumme.

© SZ vom 25.09.2020 / DPA, SID

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