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Handball:Die Korsettstangen halten

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Nicht zu halten: Coburgs Rechtsaußen Florian Billek, elffacher Torschütze gegen Gummersbach.

(Foto: Henning Rosenbusch; dasd)

Nach dem 31:26 gegen den Bundesliga-Absteiger Gummersbach sind die Zweitliga-Handballer vom HSC 2000 Coburg nach vier Spieltagen zumindest tabellarisch eine Spitzenmannschaft.

Torge Greve, der Trainer des VfL Gummersbach, schaute schon ein wenig vorbeugend rüber zu seinem Kollegen Jan Gorr vom HSC 2000 Coburg. "Das hörst du nicht gerne, aber es ist leider so", sagte Greve fast entschuldigend, weil er die Coburger gerade als "reife Spitzenmannschaft" bezeichnet hatte. Gorr nahm diese Behauptung freilich klaglos hin. "Ich höre das total gern", erwiderte er, "ich finde nur, dass wir halt keine typische Spitzenmannschaft sind." Im Gegensatz zu herkömmlichen Top-Teams "haben wir drei, vier Korsettstangen und dazu ganz viele junge Leute", erinnerte der 41-Jährige.

Nach vier Spieltagen der zweiten Handball-Bundesliga ist Coburg aber zumindest tabellarisch eine Spitzenmannschaft. Nach dem 31:26 (17:12)-Heimerfolg vor 2052 Zuschauern am Samstag haben die Oberfranken 6:2 Punkte auf dem Konto und einen Platz im oberen Tabellendrittel. Der traditions- und ruhmreiche Bundesliga-Absteiger aus dem Oberbergischen hingegen ist mit 3:5 Zählern erst mal ins hintere Drittel der Klasse versetzt worden.

Das kann sich schnell wieder ändern, "die Liga ist unglaublich ausgeglichen vom Ersten bis zum Achtzehnten", hat Greve schon festgestellt in der kurzen Zeit, die seine Gummersbacher in der Zweitklassigkeit zubringen. Gorr bestätigt diese Einschätzung: "Du kannst in dieser Liga nirgends hinfahren und sagen: Da gewinnst du. Man muss mit Schwankungen rechnen." Gerade, wenn man über einen so unerfahrenen Kader verfügt wie er. "Wir wollen uns natürlich gerne nach oben orientieren", sagt Gorr, aber nach dem knapp verpassten Bundesliga-Aufstieg in der vorigen Saison will er erst mal konstante Leistungen seines Teams sehen.

Gegen den VfL Gummersbach sah das Spiel phasenweise schon sehr ordentlich aus, sieht man von den ersten zehn Minuten ab, in denen die Coburger 4:7 zurückfielen. "Wir haben in der Abwehr nicht so richtig Zugriff bekommen", fand Linksaußen Max Jaeger, 22, "wir standen zu passiv, haben zu viele Tore aus neun Metern bekommen", sagte Kreisläufer Marcel Timm, 21. Trainer Gorr fand es "teilweise naiv", wie seine Verteidiger ans Werk gegangen seien: "Wir wollten die Gummersbacher nur blocken anstatt sie unter Druck zu setzen."

Die Schwäche war freilich schnell behoben, und als die Coburger in Schwung gekommen waren, rauschten sie so rasant über Gummersbach hinweg, dass sie vom Publikum mit Standing Ovations in die Pause verabschiedet wurden. Die Coburger Korsettstangen hatten sich bis dahin immer mehr ins Spiel hineingesteigert: Torhüter Jan Kulhanek, 38, wehrte ein ums andere Mal Würfe ab, insgesamt kam er auf 14 Paraden; Rechtsaußen Florian Billek, 31, traf ein ums andere Mal ins Tor, insgesamt elfmal; und die schwedischen Legionäre Tobias Varvne, 22, und Pontus Zetterman, 25, unterstützten das Ganze mit zehn Treffern aus dem Rückraum. Zeitweise führte der HSC mit acht Toren Vorsprung (21:13/35.).

"Das war überragend, eine große Genugtuung", gab Marcel Timm zu, der wie der fünfmalige Torschütze Max Jaeger aus der Gummersbacher Jugend nach Coburg gekommen war. Der Abschied der beiden Talente war seinerzeit nicht ganz reibungslos verlaufen, weshalb Timm nun zugab: "Das war mit das emotionalste Spiel für mich. Wir haben zwei von den für mich vier wichtigsten Punkten dieser Saison gewonnen."

Trainer Jan Gorr hat freilich auch weitergehende Erkenntnisse aus der Partie gewonnen: die Abwehr steht solide, das Tempospiel flutscht, aber "wir kommen nicht so richtig in den Positionsangriff". Da, so sieht das auch Marcel Timm, "müssen wir noch schleifen". Sein Coach monierte zudem, dass die Mannschaft nach der deutlichen Führung "zu passiv" agiert habe und den Gegner so noch einmal herankommen ließ, bis auf 27:23 (50.): "Da haben einige Dinge nicht mehr gepasst. Wenn Gummersbach da noch ein, zwei Tore macht, kann's noch richtig eng werden."

Aber im Grunde war Jan Gorr zufrieden mit seiner Mannschaft, solche Schwankungen gehörten halt dazu, findet er: "Das ist etwas, was uns beschäftigen wird in den nächsten Wochen und Monaten. Das nennt man Entwicklung." Und die geht in die richtige Richtung, findet Max Jaeger: "Wir können zuversichtlich in die nächsten Partien gehen."