Handball:Chancen verworfen

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Kiel bezwungen: Jesper Noddesbo (l.) und Victor Tomas freuen sich über den Halbfinaleinzug ihre FC Barcelona.

(Foto: Alejandro Garcia/imago)

Der THW Kiel scheidet gegen den FC Barcelona im Viertelfinale aus der Champions League aus.

Von Max Ferstl, Barcelona/München

Manchmal braucht es nur wenige Minuten, um einem Spiel eine Richtung zu geben. Das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League zwischen Barcelona und Kiel war keine fünf Minuten alt, da saß René Toft Hansen im eigenen Kreis auf dem Hosenboden. Kiels Verteidiger hatte im obligatorischen Ringkampf mit dem Angreifer eindeutig den Kürzeren gezogen. Kiel lag in dem Moment nur 3:1 zurück, doch schon da deutete sich an: An diesem Tag hatte Kiel der Wucht Barcelonas wenig entgegen zu setzen. Am Ende gewannen die Spanier mit 23:18 und zogen ins Finalturnier in Köln ein.

Weil die SG Flensburg-Handewitt sich tags zuvor sang- und klanglos gegen den mazedonischen Meister Vardar Skopje verabschiedete, findet das Endturnier zum ersten Mal ohne eine deutsche Mannschaft statt. Dabei waren die Kieler mit berechtigten Hoffnungen nach Barcelona gereist. Sie hatten das Hinspiel mit 28:26 gewonnen und dem Favoriten mit ein wenig Cleverness und viel rustikaler Verteidigungskunst den Schneid abgekauft. Und sich dafür anschließend das Missfallen des Gegners zugezogen.

"Es ist eine Schande", hatte Barcelona Trainer Xavi Pascual gewütet. Gibt es eine klarere Bestätigung dafür, dass eine Strategie aufgegangen ist? Kapitän Victor Tomás jedenfalls versicherte, dass die Kieler Verteidiger "unsere Angreifer getötet" hatten. Am Samstagabend, im Rückspiel, schafften es die Schlüsselspieler wie Kiril Lazarov oder Raúl Entrerríos dennoch, auf dem Feld zu stehen - und ähnlich aggressiv zu Werke zu gehen wie der THW im Hinspiel.

"Uns war klar, dass es eine schwierige Saison wird"

Diesmal gelang es dem FC Barcelona, eine stabile Abwehr zu formieren. Marko Vujin, der vor einer Woche noch mit zehn Treffern geglänzt hatte, bekam kaum Freiraum. Wenn sich die Kieler dann doch mal den Weg durch die Verteidigungslinie bahnten, parierte oft (23 Mal) Torhüter Gonzalo Perez. "Wir haben viel zu viel verworfen", klagte Trainer Alfred Gislason bei Sky. Sein Team fand am Samstagabend nicht die nötige Aggressivität. Zumindest nicht in der richten Dosis. Mal war es zu wenig wie zu Beginn bei Toft Hansen. Mal eine Spur zu viel wie Mitte der ersten Halbzeit, als sich Ilija Brozovic durch zwei ungestüme Aktionen jeweils Strafzeiten einhandelte. Da zog Barcelona erst auf drei Tore, dann auf fünf Tore davon und verwaltete anschließend den Vorsprung.

Kiel wird diese Saison sehr wahrscheinlich mit lediglich einem Titel abschließen, dem Pokal. Die Meisterschaft ist so gut wie verloren, nun folgte das Aus in der Champions League. Der Klub, der einst die Handball-Szene dominierte, befindet sich spürbar im Neuaufbau. "Es ist das zweite Jahr des Umbruchs. Uns war klar, dass es eine schwierige Saison wird", sagte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. Kiel ist freilich noch immer "eine starke Mannschaft", wie Filip Jicha fand. Jicha gehörte lange Zeit zu den prägenden Figuren des Kieler Erfolgs. Aber inzwischen spielt er für eine Mannschaft, die noch ein bisschen stärker ist: Jicha spielt für Barcelona.

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