Gewichtheben Lange Wartezeit

Der 30-jährige Gewichtheber Robert Joachim gewinnt bei den Europameisterschaften in Split Silber und -Bronze - und erstaunt sich selbst damit am meisten.

Von Volker Kreisl

Alles hat diesmal geklappt. Die innere Ruhe war da, die Technik, die Kraft, das richtige Timing im Wettkampf, das Timing in den Tagen zuvor und damit insgesamt auch das Timing im Leben.

Gewichtheber Robert Joachim aus Berlin hat am Dienstagabend bei der Europameisterschaft in Split Silber und Bronze gewonnen. 141 Kilo brachte er im Reißen nach oben, 176 im Stoßen. Damit sicherte er sich den zweiten Platz im Stoßen und Rang drei in der Zweikampfwertung aus beiden Techniken. Für den Bundesverband Deutscher Gewichtheber ist dies eine Überraschung, Joachim selber hatte ja zunächst Mühe, diesen Erfolg zu verstehen, der dpa sagte er: "Da musste ich 30 Jahre alt werden, damit ich meine erste internationale Medaille gewinne."

In einer Gewichtheber-Laufbahn gibt es vergleichsweise wenig Gelegenheiten dafür. Zwei große Meisterschaften à einem Wettkampf sind es pro Jahr, dazwischen verschwinden die Sportler im Hantel-Raum für den monatelangen Neuaufbau der Kräfte. Doch in Split war Robert Joachim nun zur Stelle. Er hatte die Nerven und die Ruhe behalten, als sich im Finale die Wartezeiten in die Länge zogen, hatte dann die Bewegungen einwandfrei umgesetzt und als einziger Athlet sechs gültige Versuche in die Wertung gebracht. Und er hatte auch etwas Glück, weil der albanische Mitfavorit Calja Briken einen schwarzen Tag erwischte und viermal scheiterte. Vor allem aber hatte Joachim diesmal vor dem Wettkampf perfekt das Gewicht reduziert. Er wiegt zirka 72 Kilogramm, aber um in seine Gewichtsklasse zu kommen, musste er drei Kilo abschwitzen. Das bedeutet, drei bis vier Tage lang sehr viel Wasser zu verlieren, aber bloß keine Kraft. "Die letzten Kilo sind manchmal ziemlich zäh", sagt Bundestrainer David Kurch.

18 Jahre lang stemmt Joachim Gewichte, und dieser Medaillen-Dienstag von Split könnte durchaus den Beginn des erfolgreicheren Teils seiner Laufbahn darstellen. Denn seit sich Joachim im vergangenen Jahr einer zweiten Schulter-Operation unterzogen hatte, sind seine Leistungen stabil. Der Eingriff kam zur rechten Zeit, noch befindet sich Joachim ja im Zenit seines Könnens. "Ende 20, Anfang 30 bist du als Gewichtheber im besten Alter", sagt Sportdirektor Frank Mantek. Die Athleten sind erfahrener und gefestigter, was man bei Joachim zum Beispiel daran erkennt, dass er mehr Wert auf Details legt, "ganzheitlicher trainiert", wie sein Trainer sagt. Die Voraussetzungen für weitere Erfolge wären also da, bleibt Joachim beständig, sagt Kurch, "dann ist er ein interessanter Mann für Olympia".