Futsal Die Energie des Rückkehrers

Aus der Kreisliga Allgäu Süd zum Nationalspieler: Lukas Sepp (Mitte) spielt nicht mehr für den VfB Durach II, sondern für die Futsal Panthers Köln.

(Foto: Christian Hofer/Getty Images for DFB)

Jahn Regensburg nimmt als einziges bayerisches Team an der Endrunde der Futsal-Meisterschaft teil. Mit besonderer Hilfe soll der Titel gewonnen werden.

Von Sina Götz, Johannes Kirchmeier

Große Heldengeschichten unserer Zeit leben von einem Rückkehrer, der es den anderen noch einmal zeigt. Und so stehen schon einmal die Vorzeichen gut dafür, dass der SSV Jahn 1889 Regensburg in der Endrunde der deutschen Futsal-Meisterschaft nach seinem Titelgewinn 2017 erneut eine große Geschichte erzählen könnte. Denn eigentlich war ihr Spielertrainer Lucas Silveira Kruel, 28, schon eine Zeit lang weg, aber dann stand er am vergangenen Samstag doch wieder im roten Jahn-Trikot in der Halle. Der Rückkehrer war zwar noch etwas müde, ihn plagte der Jetlag von seiner weiten Reise aus den USA. Aber er war spiel- und trickfähig und schaffte mit seinem Team letztlich ein 3:3 im Playoff-Hinspiel gegen den deutschen Vizemeister Futsal Panthers Köln. Das Rückspiel findet am Samstag um 19 Uhr in Tegernheim bei Regensburg statt, wo die neu sanierte Mehrzweckhalle mit der Partie eingeweiht wird. "Wir haben gute Chancen weiterzukommen", sagt der SSV-Abteilungsleiter Oliver Vogel, "aber nur, wenn wir noch einmal so wie in Köln spielen."

Stets in der Endrunde: Der Weg der Regensburger ist beispiellos

Ende Januar feierte Kruel seinen Abschied vom SSV Jahn. Der Fitnesscoach des ehemaligen Münchners Douglas Costa trat beim neuen Fußball-Profiteam Hartford Athletic in Connecticut seinen neuen Job als Athletiktrainer an. Ein Held in der Oberpfalz war er nach der Meisterschaft schon vor zwei Jahren. Er kam nun noch einmal zurück, weil ihm der Klub und sein Projekt, Futsal in Deutschland zu etablieren, so sehr am Herzen liegen. Auch am Samstag im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale, in dem die Hamburger SV Panthers warten würden, wird er mitspielen. Auf seinem anschließenden Weg der Heldenreise nähme er jedoch eine andere Abzweigung als das Team. "Nach dem Spiel am Samstag ist er wieder weg", sagt Vogel, der seit 2015 gemeinsam mit Kruel die Hallenfußballvariante mit leichterem Ball, aber auch flinkeren Kombinationen in der Oberpfalz fördert. Kruel wird beim punktlosen Tabellenletzten der USL Championship in Hartford gebraucht. "Das kann dann aber beim Rest des Teams auch Energien freisetzen", glaubt Vogel.

Die Regensburger sind das einzige bayerische Team, das in der Endrunde mitspielt. Ihr Weg ist beispiellos. Seit vier Jahren nimmt der Jahn am Futsal-Spielbetrieb teil, nach dem Aufstieg in der ersten Saison spielte der Klub immer in der Meisterschafts-Endrunde mit.

In Tegernheim werden aber nun nicht alle bayerischen Fans zum Gastgeber halten. Neun Karten haben sich auch Allgäuer geholt, die den Gegner unterstützen. Denn für Köln ist ein gebürtiger Ostallgäuer aus Unterthingau dabei: der Nationalspieler Lukas Sepp, der vor drei Jahren noch in der Kreisliga Allgäu Süd beim VfB Durach II kickte. "Wo die Spieler davor gespielt haben, das ist mir nicht wichtig", erklärt sein Trainer Daniel Gerlach. Am wichtigsten ist für ihn das Spielverständnis. Ein guter Futsaler muss schnelle Lösungen auf engem Raum finden, was bei Sepp so gut funktioniert, dass er wie sein Kölner Kollege, der frühere Bayern-Nachwuchsprofi Timo Heinze, auch für das Nationalteam nominiert ist. Im Oktober treffen sie in der WM-Qualifikation unter anderem auf Portugal - eine der besten Mannschaften der Welt. Vielleicht sind dann auch die drei Regensburger Luca Piga, Philipp Ropers und Tim Baumer wieder dabei.

In Deutschland gibt es derzeit keine Futsal-Spieler oder Trainer, die Geld mit ihrem Sport verdienen. Doch es gibt schon Unterschiede im Ansehen des Sports. Die Kölner erhalten in ihrem Bundesland schon mehr Beachtung als die Klubs aus dem Süden Deutschlands. Dort gebe es im Vergleich zu Bayern viel mehr Vereine und "die Leute hier stehen dem Futsal positiver gegenüber", sagt Sepp. Sein Trainer bestätigt den Eindruck: "Die Regionalliga Süd gibt es erst seit vier Jahren, zudem umfasst sie ein riesiges Gebiet und hat ganz andere Hürden zu bewältigen, als die Teams in unserer Liga."

Das Spiel kann lange dauern, es gibt keine Auswärtstorregel

Trotzdem treffen sich nun am Samstag zwei Teams auf Augenhöhe. "Wenn du ihnen ein bisschen Platz gibst, dann spielen die ihr Spiel. Aber so ist es auch bei uns", sagt Vogel über das Duell zweier "echter Futsal-Teams", wie er sagt. Es wird darauf ankommen, wer den Gegner bis zum Schluss besser unter Druck setzt. Es kann ein langes Spiel werden, denn anders als im Fußball gibt es keine Auswärtstorregel. Steht es nach 40 Minuten unentschieden, wird die Partie erst verlängert und dann, wenn nötig, im Sechsmeterschießen entschieden. Nur der Gewinner in Tegernheim kommt weiter. Es braucht also einen Helden am Samstagabend.