Frauen-Basketball:Zurück auf den Marienplatz

Osnabrueck, Deutschland, 03.04.2021: Sophie Perner (TSV 1860 Wasserburg) in Aktion, am Ball bei dem PlayOff-Spiel der 1.; Basketball TSV Wasserburg

Radikaler Umbruch: Sophie Perner ist eine der wenigen verbliebenen Spielerinnen beim ehemaligen Serienmeister aus Wasserburg.

(Foto: Nico Paetzel/Imago)

Mit dem neuen Trainer Rüdiger Wichote und acht neuen Spielerinnen will der TSV Wasserburg an erfolgreiche Zeiten anknüpfen.

Von Mathias von Lieben

Als Anfang Mai 2017 die vorerst letzte Meisterfeier vor dem Rathaus am Wasserburger Marienplatz stattfand, hieß der Trainer der Erstliga-Basketballerinnen des TSV Wasserburg noch Georg Eichler. Zum fünften Mal nacheinander und zum elften Mal insgesamt hatte sein Team damals die deutsche Meisterschaft gewonnen und sich damit erneut für den internationalen Eurocup qualifiziert. Und nicht nur das: Bereits zuvor hatten die Innstädterinnen auch den Pokalwettbewerb zum zweiten Mal in Serie gewonnen. Auf dem sonnigen Marienplatz jubelten hunderte Fans Eichler und seinen Spielerinnen euphorisch zu. Das waren Zeiten. Längst vorbei.

Heute, rund vier Jahre später, ist nicht nur Georg Eichler schon lange wieder Geschichte, sondern auch der einstige sportliche Höhenflug in der Basketball-Bundesliga der Frauen (DBBL). Erreichten die Wasserburgerinnen 2018 unter Eichler-Nachfolger Nikolay Gospodinov noch das Finale, war 2019 unter der neuen Trainerin Sidney Parsons bereits im Halbfinale Schluss. 2020 wurde die Saison dann wegen der Corona-Pandemie vor den Playoffs abgesagt, in der vergangenen Saison kam der TSV nicht mal mehr über das Viertelfinale hinaus. Und trotz des Negativtrends sagt die gerade im Amt bestätigte Basketball-Abteilungsleiterin Paula Zaschka: "Ich bin sogar zuversichtlich, dass wir diese Saison die Meisterschaft nach Wasserburg holen können."

Helfen bei diesen ambitionierten Plänen soll ein alter Bekannter: Rüdiger Wichote, der Nachfolger von Sidney Parsons. Der Diplom-Sportlehrer und gebürtige Münchner hatte bereits zwischen 2008 und 2011 drei Jahre als Jugendkoordinator in Wasserburg gearbeitet, bevor er acht Jahre lang das Zweitliga-Basketballteam der TS Jahn München trainierte. Nun soll er an den Erfolg alter Tage anknüpfen. "Na klar wollen wir selbstbewusst auftreten und oben angreifen ", sagt Wichote am Telefon: "Aber die Meisterschaft als Ziel auszugeben, halte ich angesichts der großen Ligakonkurrenz für vermessen. Mein Ziel lautet Halbfinale."

Wegen Corona wurde die Liga aufgestockt, weil es keine Absteiger gab. Nun müssen vier Mannschaften absteigen

Doch selbst dieses Ziel dürfte in der neuen Saison, die für den TSV Wasserburg am 25. September mit einem Heimspiel gegen Osnabrück beginnt, kein leichtes Unterfangen werden. Einerseits, weil der finanzstarke aktuelle Meister Keltern erneut in einer anderen Sphäre spielen dürfte. Und andererseits, weil auch Vereine wie Hannover mit Ex-Wasserburg-Trainerin Parsons den Abstand zur Ligaspitze weiter verkleinern wollen. Hinzu kommt: Corona-bedingt wurde der Abstieg in der vergangenen DBBL-Saison ausgesetzt, der Aufstieg für zwei Teams aus der zweiten Liga allerdings ermöglicht. Statt zwölf besteht die Liga daher nun aus vierzehn Teams, von denen wiederum vier am Ende absteigen. So umkämpft war die Liga wohl noch nie.

Hoffnung macht Rüdiger Wichote allerdings, dass die Kaderplanung in Wasserburg bereits frühzeitig abgeschlossen wurde, obwohl erneut ein radikaler Umbruch stattgefunden hat. In Nationalspielerin Leonie Fiebich (Frankreich), Morgan Pullins (Göttingen), Kelly Moten, Helene Eckerle und Anne Zipser (alle Hannover) haben wichtige Stammspielerinnen den Verein verlassen. Geblieben sind nur die beiden Hebecker-Schwestern Elisa und Laura sowie Manuela Scholzgart und die gebürtige Rosenheimerin Sophie Perner. Neu am Inn willkommen geheißen wurden acht Spielerinnen. Eine besonders wichtige Rolle dürfte A-Nationalspielerin Levke Brodersen zukommen, die als Point- und Shooting Guard die entstandene Lücke im Aufbauspiel schließen soll. Die 26-Jährige kennt die Liga von ihren Stationen in Saarlouis und zuletzt Nördlingen bereits sehr gut und soll eine ähnlich wichtige Rolle wie die zwei jungen US-Amerikanerinnen Haliegh Reinoehl, 23, und Aliyah Mazcyk, 24, übernehmen. Insgesamt haben die Verantwortlichen viel Wert auf variable, athletische Spielerinnen gelegt, um personelle Engpässe besser als im vergangenen Jahr auffangen zu können. "Wir haben zwar ein sehr junges Team", sagt Wichote: "Dafür aber ein sehr ehrgeiziges, das bereits jetzt sehr gut zusammengefunden hat."

Das erste Pflichtspiel am Sonntag verlief erfolgreich, Wasserburg setzte sich im Pokal 69:61 gegen Heidelberg durch, auch die Nördlingen Angels (75:63 gegen Saarlouis), Schwabach (87:66 in Ludwigsburg) und Würzburg (62:59 bei den Rhein-Main Baskets) kamen weiter; Jahn München schied aus, 50:99 gegen Freiburg.

Sportlich war die Wasserburger Vorbereitung allerdings eher durchwachsen. Beim Angels-Cup, einem Vorbereitungsturnier in Nördlingen, hatten die Innstädterinnen ihr erstes Spiel gegen den Ligakonkurrenten Saarlouis mit 68:81 verloren und konnten sich anschließend nur gegen Zweiligist Schwabach (93:50) durchsetzen. Beim Kurz-Trainingslager in Slowenien gegen den dortigen Erstligisten Domzale immerhin wurden zwei weitere Testspielsiege eingefahren, die allerdings noch einige Schwächen offenlegten. Bis zum Ligaauftakt in eigener Halle nächsten Samstag bleibt noch etwas Zeit, um weiter an den Automatismen zu feilen.

Eine Meisterfeier auf dem Marienplatz - irgendwie klingt das zurzeit noch sehr weit entfernt.

© SZ/lib/toe
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