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FC Schalke:Das Türschloss aus Enschede

Der 45-jährige Niederländer Fred Rutten stellt sich als Trainer auf Schalke vor und soll dort die alte Fußballmentalität des Vereins wiederbeleben.

Bevor er am Mittwochmorgen seine Unterschrift unter den zwei Jahre laufenden Cheftrainer-Vertrag mit Schalke 04 setzte, musste Fred Rutten schwierige Tage überstehen. Er wurde bedrängt und belästigt, immer wieder sollte er sich diese Schwärmereien über Schalke anhören. "Youri Mulder hat mich verrückt gemacht!", schilderte Fred Rutten die Einflüsterungen seines ehemaligen Mitspielers und Kollegen im Trainerstab bei Twente Enschede, von dem er sagt: "Er hat ein blaues Herz."

Fred Rutten übernimmt den FC Schalke und soll die alte Mentalität wiederbeleben.

(Foto: Foto: dpa)

Mulder, derzeit mit Mike Büskens übergangsweise Betreuer der Schalker Profis, wird zwar keine Provision für die Vermittlung erhalten. Aber ein Lohn ist ihm auf jeden Fall sicher: Ebenso wie Büskens wird er in der neuen Saison als Assistenztrainer an der Seite des neuen Mannes arbeiten. Wie es aussieht, renoviert Schalke mit Entschlossenheit nahezu den kompletten Betreuerstab, selbst Oliver Reck muss angeblich um seinen Posten als Torwarttrainer fürchten.

Und nicht nur die Integration der alten Vereinshelden Mulder und Büskens legt den Eindruck nahe, als wollte man nach zweieinhalb Jahren mit dem kühlen und nur mäßig populären Laptop-Trainer Mirko Slomka auch einen grundsätzlichen ideellen Wandel schaffen. So bedeutet die Lösung mit Rutten außer fachlicher Erneuerung auch die Wiederbelebung einer Fußballmentalität, wie sie im Klub viele Jahre geschätzt wurde. Ein Niederländer in Schalke weckt zwangsläufig nostalgische Erinnerungen, selbst wenn Rutten sagt, dass er mit seinem Vorfahren Huub Stevens außer der Staatsbürgerschaft nicht so viel gemein habe. Immerhin beschäftigen sie denselben Berater.

Ob Youri Mulder bei der Nachfolgeregelung in seinem Herzensklub schon früher Einfluss genommen hat, wurde nicht bekannt, aber womöglich ist es kein Zufall, dass Manager Andreas Müller im Januar einen Ausflug ins grenznahe Enschede unternahm, um sich dort das Punktspiel gegen AZ Alkmaar anzuschauen. Gastgeber Twente gewann 2:1, und Müller fuhr beeindruckt wieder heim: "Ich war begeistert von der Spielanlage dieser Mannschaft", erinnert er sich, "da hat man so einen Trainer im Kopf und schaut dahinter."

So kam es, dass sich nun kaum drei Monate später ein eher schmächtiger Mann in hellem Jackett und weißem Hemd durch das Spalier der Reporter in der Gelsenkirchener Arena schlängelte und zwischen Müller und Präsident Josef Schnusenberg auf jenem Podiumssitz Platz nahm, von dem er künftig die Heimspielvorstellungen des FC Schalke kommentieren wird. Sein erster Auftritt vor großem deutschen Publikum war eher von Zurückhaltung als von großen Worten geprägt, aber die vielen aus dem Nachbarland mitgereisten Berichterstatter hat das nicht überrascht.

"Sehr interessiert und konkret"

Rutten gilt als relativ öffentlichkeitsscheu, vor allem aber als ernsthaft und geradlinig, und dass er eine besonders bodenständige Natur ist, das lässt sich an seiner Biographie ablesen: Bis auf fünf Jahre beim PSV Eindhoven, zuletzt als Assistent Guus Hiddinks, hat sich seine gesamte Fußball-Karriere bei Twente im beschaulichen Enschede abgespielt. Als Verteidiger zu Profizeiten trug er den Spitznamen "das Türschloss von Enschede", als Trainer hat er sich in der Heimat einen Ruf erworben, weil er mit vergleichbar geringem Budget erfolgreiche Mannschaften entwickelt hat.

Seine Spielorientierung ist offensiv, zuletzt hat er das klassisch niederländische 4-3-3-System als noch angriffslustigere 4-2-4-Variante spielen lassen, und das mit Erfolg: In der Meisterschaft ließ man den mit prominenten Neuerwerbungen wie Roy Makaay und Giovanni van Bronckhorst verstärkten Großstadtklub Feyenoord Rotterdam hinter sich. Derzeit stecken Rutten und Twente mitten in der Qualifikation für den Uefa-Cup, weshalb der Ausflug nach Gelsenkirchen zunächst ein Intermezzo bleibt. Rutten wollte wieder Ruhe für seine Aufgabe in Enschede finden, die Berichte über seinen Wechsel drohten Unruhe zu bringen.

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