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Eisschnelllauf:Neue Hausmarke

Eisschnelllauf: Weltcup

Patrick Beckert nach seinem 5000-Meter-Lauf in Erfurt.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die Eisschnellläufer Patrick Beckert und Nico Ihle zeigen sich beim Weltcup in Erfurt für die Olympischen Spiele gerüstet - auch wenn Ihle "primitive" Fehler unterlaufen.

Ein halbes Leben ist Patrick Beckert durch die Arena in Erfurt gekurvt. Runde um Runde, Tag für Tag, Training für Training. Er ist in Erfurt geboren, kennt jeden Balken in der Decke, jede Linie auf der Fläche und vermutlich jedes einzelne Eiskristall. Nie aber hat er die 5000-Meter-Strecke unter dem eindrucksvollen Rundgewölbe in 6 Minuten und 19,53 Sekunden absolviert. "Ich bin zufrieden", sagte er mit einem leisen Lächeln, als er am Samstag im Tunnel zur Innenraum der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle stand, den er natürlich auch schon seit der Einweihung 2001 ständig durchquert: "Das war die schnellste Zeit, die ich in Erfurt je gelaufen bin."

Knapp drei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Korea reichte diese kleine, ganz private Bestzeit in seiner Hausarena für Rang fünf im letzten vorolympischen Weltcup-Rennen der Eisschnellläufer. Auf die Platzierung kam es Patrick Beckert, 27, dem WM-Dritten von 2017, im Grunde jedoch gar nicht an. Erstens, weil er natürlich auf anderen, schnelleren Bahnen schon sehr viel fixer unterwegs war. Zweitens hatte er seinen Ehrgeiz an diesem Tag darauf ausgerichtet, technisch fehlerfrei übers Eis zu gleiten und gleichzeitig "in Schlagdistanz zu den Podiumsplätzen" zu bleiben, wie er sagte; der Nachweis makelloser Schlittschuhtechnik unter Wahrung eines Minimalabstands zu den Besten ist ihm am Sonnabend einwandfrei geglückt. Sein Kollege Moritz Geisreiter aus Inzell kam auf Platz zehn; aber nach anderthalb Monaten Wettkampfpause, sagte Geisreiter, müsse er "erst einmal wieder richtig in Tritt kommen".

Patrick Beckert indes konnte nicht einmal der Umstand aus der Ruhe bringen, dass in diesem Rennen der neun Jahre alte Bahnrekord pulverisiert wurde, weil der Norweger Sverre Lunde Pedersen als Sieger in 6:14,66 Minuten die bisherige Richtzeit des niederländischen Rekordweltmeister Sven Kramer unterbot. Der Bahnrekord sei ohnehin fällig gewesen, sagte Beckert, dem als Spezialisten für Langstrecken nicht entgangen ist, dass in diesem ein Winter alle Konkurrenten das Tempo mächtig angezogen haben. Zudem sei fraglich, ob Erfurt-Sieger Pedersen diese "Frühform" vom Januar konservieren könne. Die olympischen Langstrecken-Rennen auf der Bahn in über 5000 und 10 000 Meter sind für den 11. und 15. Februar auf der Bahn in der Küstenstadt Gangneung anberaumt. Dieses Oval kennt Patrick Beckert übrigens ebenfalls sehr gut, denn dort hat er sich vor elf Monaten die WM-Bronzemedaille über 10.000 Meter sichern können. "Und auch damals war ich vorher beim Weltcup Fünfter", erläuterte er. Grund genug also, die Generalprobe als gelungen zu betrachten, wenn man auf eine Duplizität der Ereignisse hofft.

Auch Beckerts Kollege Nico Ihle, ein Meister der Kurzdistanz, beendete sein 1000-Meter-Weltcup-Rennen am Samstag in Erfurt als Fünfter. Zwar in 1:09,21 Minuten nicht ganz so schnell wie erwünscht, aber zumindest konnte er mit einem eleganten Lauf den Eindruck des Vortags korrigieren. Denn beim ersten Wettkampf am Freitag über die 500-Meter-Distanz hatte er vor dem zahlreich angereisten Publikum etwas vollbracht, was sein Trainer Klaus Ebert einen "Stammellauf" nannte: Ihle hakte schon nach 20 Metern mit der Kufenspitze versehentlich ins Eis, was ihn bei der Geschwindigkeitsaufnahme erheblich bremste; ein ähnlicher Stolperer unterlief ihm gegen Ende des Rennens noch einmal, womit sein 17. Rang hinreichend erklärt war. "Primitive koordinatorische Fehler" diagnostizierte Trainer Ebert trocken. Das könne immer mal passieren, sei aber kein Anlass zur Sorge. Ihle, der erst kürzlich EM-Dritter wurde, sei in guter Verfassung. Und bis zu den olympischen Rennen ist noch genug Training eingeplant: "Die Basis" sagte Ebert, "stimmt schon jetzt." Für Nico Ihle stehen am Sonntag noch zwei weitere Rennen über 500 und 1000 Meter auf dem Programm, dann greift auch Claudia Pechstein über 3000 Meter ins Geschehen ein. Für Beckert dagegen sind die vorolympischen Wettkämpfe bereits beendet. "Jetzt wird das Training ein bisschen zurückgefahren", sagte er, als er in Erfurt aus der Halle ging. "Ich lege jetzt mal die Füße hoch." Nach Hause hat er es ja nicht weit.