Eishockey Niederlage nach fünf Sekunden

Mannheim belagerte erfolgreich das EHC-Tor, auch wenn Tommi Huhtala (re.) gegen Münchens Torwart Danny aus den Birken scheiterte.

(Foto: Michael Deines/dpa)

Die Adler Mannheim gehen in der Finalserie mit 2:1 gegen den EHC München in Führung. Der Titelverteidiger verschläft dabei erneut die Startphase und kann Mannheim nur kurz unter Kontrolle bringen.

Von Christian Bernhard

Don Jackson wusste ganz genau, an was es gelegen hatte. Die Startphase hätte zweimal den Unterschied ausgemacht, sagte der Trainer des EHC Red Bull München am Ostersamstag. Den Grund dafür sah er im mentalen Bereich, sein Lösungsvorschlag klang einleuchtend: "Wir müssen uns in Acht nehmen und von Beginn an bereit sein." Was er am Ostermontag zu sehen bekam, widersprach dem zu 100 Prozent. Gerade einmal fünf Sekunden waren gespielt, da lag die Scheibe schon im Tor seiner Mannschaft. Münchens Verteidiger Daryl Boyle wollte sich direkt nach dem Anspiel mit in den Angriff einschalten, doch David Wolf war einen Tick schneller, passte zu Matthias Plachta und dieser hämmerte den Puck per Direktabnahme unter die Querlatte.

Der Treffer der Mannheimer Adler war einer für die Geschichtsbücher, sie stellten den Rekord für das schnellste Tor in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ein. Es war der Auftakt zum 4:1-Sieg (2:0, 1:1, 1:0). Dadurch sorgten die Mannheimer im siebten Saisonduell mit dem EHC für den ersten Sieg eines Heimteams überhaupt und übernahmen in der Best-of-seven-Endspiel-Serie die 2:1-Führung, da sie bereits am Samstag in München mit 3:0 gewonnen hatten. "Wir marschieren schon gut mit denen mit", sagte Münchens Nationalspieler Yasin Ehliz nach der zweiten Pleite binnen drei Tage, "aber wenn du so oft auf der Strafbank sitzt, geht einem am Ende schon ein bisschen die Kraft aus."

Mannheims erster Treffer war ein historischer: er stellte den Rekord für das schnellste DEL-Tor ein

Nach dem frühen 0:1 musste der EHC, der verletzungsbedingt schon auf seinen Topscorer Mark Voakes verzichten musste, gleich die nächste Hiobsbotschaft verkraften. Stürmer Trevor Parkes erwischte Sinan Akdag in Minute drei mit dem Knie und kassierte dafür eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Da sich kurz darauf auch noch Boyle eine Zwei-Minuten-Strafe leistete, hatten die Münchner eine zweiminütige Drei-gegen-Fünf-Unterzahlsituation zu überstehen. Lange verteidigten sie diese gut, doch in Minute sieben schlug die Scheibe nach einem Schuss aus spitzem Winkel von Andrew Desjardins zum zweiten Mal im Kasten von Nationaltorhüter Danny aus den Birken ein. Mannheim überzeugte erneut mit einem extrem aggressiven Forecheck, der den Münchnern bereits in deren Drittel kaum Luft zum atmen gab. Es dauerte fast 13 Minuten, ehe der EHC zu seiner ersten guten Möglichkeit kam: John Mitchell lenkte den Puck in Überzahl aus der Luft an die Querlatte des Tores von Dennis Endras. Zwei Minuten später vereitelte aus den Birken gegen Tommi Huhtala das 0:3.

Münchens Nationalspieler Frank Mauer fand nach dem Startdrittel klare Worte für die Leistung seines Teams: "Wir schauen den Adlern beim Spielen zu, das ist einfach nicht gut genug gegen so eine Mannschaft." Er forderte: "Wir müssen jetzt anfangen, mehr Schlittschuh zu laufen." Das gelang dem Meister der vergangenen drei Jahre, er schnürte die Adler in den ersten zwei Minuten des Mitteldrittels nahezu komplett in deren Drittel ein und erarbeitete sich durch Andreas Eder eine gute Chance, die Endras spektakulär im Spagat vereitelte (23.). Trotz der Münchner Druckphase waren es aber die Adler, die das Tor machten: Aus den Birken schaffte es nicht, die Scheibe festzumachen und Desjardins traf erneut aus spitzem Winkel (26.). Andreas Eders Analyse nach dem 0:3 fiel simpel aus: "Irgendwann müssen wir ein Tor schießen, egal wie." Das klappte - und zwar in Überzahl. Ehliz sorgte mit einem tollen Querpass dafür, dass Patrick Hager ins leere Tor schießen konnte (31.) und der EHC im 15. Powerplay-Endspiel-Versuch endlich traf.

In den vergangenen zwei Spielen gelang München nur ein Tor. Der EHC muss sich offensiv steigern

Die Münchner, die im zweiten Drittel nur fünf Mannheimer Torschüsse zuließen, waren nun voll im Spiel - Endras vereitelte gegen Maximilian Daubner (35.) und Yannic Seidenberg (37.) das 2:3. "Wir sind ein bisschen von unserem Spiel weg gekommen", sagte Adler-Angreifer David Wolf nach dem Mitteldrittel. Das war ein Verdienst der Münchner, die ein völlig anderes Gesicht als noch im ersten Drittel zeigten. Im Schlussabschnitt traten aber wieder die Mannheimer souveräner auf und machten mit Huhtalas 4:1 (56.) alles klar. Spiel vier findet am Mittwoch wieder in München statt (19.30 Uhr). Der EHC muss sich dann offensiv steigern, denn in den vergangenen zwei Spielen gelang ihm nur ein Tor. Und er wäre sehr gut beraten, wenn er nicht zum vierten Mal die Startphase verschlafen würde.