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Eishockey:Grundsätzliches nach der Overtime

Deutschland - Schweiz

Frederik Tiffels (li.) und Marcel Brandt (re.) versuchen dem Schweizer Tyler Moy den Puck abzunehmen.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Deutschland verpasst gegen die Schweiz die nächste Überraschung. Der DEB-Sportdirektor nutzt die Gelegenheit für einen Vorstoß.

Es dauerte nicht lange, dann rief der Deutsche Eishockey-Bund in Person von Sportdirektor Stefan Schaidnagel nach der knappen Niederlage gegen die Schweiz eine Grundsatzdebatte aus. Dabei hatte der Sportdirektor durchaus zufrieden sein können, nach dem Sieg gegen Russland hatte die deutsche Auswahl auch dem Favoriten aus der Schweiz lange trotzen können.

Aber die Forderung von Schaidnagel, das Ausländerkontingent in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu reduzieren, geht über den Deutschland Cup hinaus. Seine Botschaft: Nur wenn deutsche Spieler bei ihren Clubs im Liga-Alltag wichtigere Rolle einnehmen, könne das deutsche Eishockey die ambitionierten Ziele in den nächsten Jahren erreichen - wobei beim Deutschland Cup gerade die Spieler aus der zweiten Reihe sich zeigten. "Um dieses Thema müssen wir nun miteinander ringen", sagte Schaidnagel, es laufen derzeit "konstruktive" Gespräche.

Die Vorstellung des DEB ist, dass das Ausländerkontingent in der DEL bis 2026 auf sechs Spieler verringert wird. Momentan dürfen die Clubs elf ausländische Profis im Kader haben, neun dürfen in einem Spiel eingesetzt werden. Die Liga argumentiert, dass deutsche Spieler teurer seien und die Kluft zwischen den Top-Clubs und den Vereinen mit geringerem Etat vergrößert werde. Das DEB-Konzept sieht vor, dass das Nationteam ab 2026 ernsthaft um Medaillen mitspielen kann.

Ohne die meisten Olympia-Silbergewinner von 2018 und die meisten WM-Teilnehmer hatte das unerfahrene Nationalteam zuvor die Chance ausgelassen, nach dem 4:3 gegen Russland am Donnerstagabend auch den zweiten Auftritt beim Vier-Nationen-Turnier für sich zu entscheiden. Ein Gegentreffer von Pius Suter in letzter Sekunde der Overtime brachte die Entscheidung in einer lange zerfahrenen Partie.

"Es war ein gutes Eishockeyspiel. Ich bin zufrieden", bilanzierte Bundestrainer Toni Söderholm, auch wenn seine Mannschaft anfangs nicht das abgerufen habe, was besprochen war: "Das muss ich auf meine Kappe nehmen. Das habe ich wahrscheinlich nicht genug erklärt."

Vor über 6217 Zuschauern waren die Treffer von Frederik Tiffels (4. Minute), Daniel Pietta (48.) und Daniel Fischbuch (51.) zu wenig. "Wir wollten gutes deutsches Eishockey rüberbringen und ich denke, in den ersten beiden Spielen hat man gutes deutsches Eishockey gesehen", sagte Kapitän Marco Nowak. Allerdings leistete sich das deutsche Team auch Fehler im Aufbauspiel und Nachlässigkeiten in der Defensive. Die Schweizer holten auch dank der Tore von Noah Rod (33.), Suter (42.) und Luca Fazzini (53.) in regulärer Spielzeit den zweiten Sieg im zweiten Spiel und haben gute Chancen auf den Turniersieg.

Die Slowakei ist am Sonntag (14.30 Uhr/MagentaSport) letzter deutscher Gegner bei dem Vier-Länder-Turnier. Die Partie ist bis zur unmittelbaren WM-Vorbereitung im April die einzige Gelegenheit für Spieler der zweiten Reihe, sich zu präsentieren.