Eishockey:Franz Reindl verliert sein "größtes Spiel"

DEB-Präsident Franz Reindl

Ein intensiver Wahlkampf war umsonst: Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB), hier während der Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Deutschlands Eishockey-Präsident beklagt nach der gescheiterten Kandidatur für den einflussreichsten Posten im Welteishockey "Checks von hinten".

Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, ist bei der Wahl zum Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes IIHF gescheitert. Auf dem Halbjahreskongress in Sankt Petersburg am Samstag erhielt der 66-Jährige, der zuvor als Favorit gehandelt worden war, im entscheidenden Wahlgang nur 39 Stimmen, 67 Stimmen gingen an den in Kanada geborenen Franzosen Luc Tardif, 68. Der ehemalige Profi Tardif ist damit Nachfolger des Schweizers René Fasel, der nach 27 Jahren an der IIHF-Spitze abtrat. In der ersten der vier Wahlrunden hatten Reindl und Tardif mit je 29 Stimmen noch gleichauf gelegen, bevor sich Tardif klar durchsetzen konnte. Kurz darauf gab es eine weitere Niederlage für Reindl: Auch die Wahl um den Posten des Vize-Präsidenten für Europa und Afrika verlor er, mit 44:61 Stimmen gegen Henrik Bach Nielsen aus Dänemark. Erst im letzten Durchgang sicherte sich der Deutsche zumindest den Verbleib im IIHF-Council, dem erweiterten Vorstand des Eishockey-Weltverbandes.

Eishockey: Der neue Chef des Weltverbands IIHF: Luc Tardif.

Der neue Chef des Weltverbands IIHF: Luc Tardif.

(Foto: Franck Fife/AFP)

Am Tag nach der Wahlniederlage war zumindest für Reindl klar, warum seine Ambitionen scheiterten: Attacken aus der Heimat hatte er ausgemacht, die der ehemalige Nationalspieler als "verbotene Checks von hinten" bezeichnete.

Denn Reindls Verbandsführung stand zuletzt in der Kritik. Anfang Juni hatten der Spiegel und die Augsburger Allgemeine über umstrittene Zahlungen berichtet; dabei ging es unter anderem um ein Monatsgehalt von 9000 Euro, das Reindl als Geschäftsführer bei einer DEB-Tochter kassiert hat - während er als Präsident ehrenamtlich tätig ist. Reindl bestritt die Vorwürfe stets: Die Tätigkeit für die DEB-Tochter sei schon vor seiner Wahl zum DEB-Präsident "mein Job" gewesen, sagte er, "damit habe ich mein Geld verdient. Für meine Arbeit als Präsident gab es nie einen einzigen Cent."

Einige Landesverbände warnen vor einem "handfesten Skandal"

Der Vorwurf seiner Kritiker lautete hingegen: Ehrenamt und Beruf ließen sich da kaum noch voneinander trennen. Laut Spiegel beschäftigt sich inzwischen auch die Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) mit dem Fall. Aktuell, stellte Reindl klar, sei kein Verfahren gegen ihn eröffnet. Reindl bleibt vorerst Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, bei der Präsidiumswahl im kommenden Jahr will er allerdings nicht mehr antreten.

Das hält einige Landesverbände jedoch nicht davon ab, Alarm zu schlagen. "Nach den derzeitigen Erkenntnissen steuert die Sportart Eishockey auf einen weiteren, handfesten Skandal zu", heißt es in einer Mail vom 13. September aus Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein unter anderem an den DOSB und das Bundesinnenministerium. Die Geschichte habe "sicherlich einen negativen Einfluss auf die Wahl" gehabt, sagte Reindl am Sonntag.

Nach 23 Jahren in diversen IIHF-Posten hatte der Garmisch-Partenkircher zuletzt viel Zeit und Aufwand in den Wahlkampf investiert. "Das Gefühl, das ich in den ganzen Gesprächen bekomme, ist sehr, sehr gut", hatte er noch Ende vergangener Woche gesagt - "Gefühl wählt aber nicht." Nach seiner aktiven Karriere war Reindl in Deutschland Co-Trainer und Interimscoach des Nationalteams gewesen, dann Sportdirektor, DEB-Generalsekretär und zwischendurch auch mal kaltgestellt - ehe er den Verband 2014 als Präsident übernahm.

Nun setzte er alles auf die internationale Funktionärskarriere: "Was mir zugute kommt, ist die Entwicklung des deutschen Eishockeys. Der phänomenale Aufstieg wird registriert", hatte Reindl stolz verkündet. Tatsächlich überraschte die Nationalmannschaft mit Olympia-Silber 2018, auch spielen immer mehr Deutsche in der NHL. Für die Wahl zum mächtigsten Mann im Welteishockey hat das aber nicht gereicht.

Ob all das Auswirkungen hatte auf die Wahlgänge in Sankt Petersburg? Seine Kandidatur hatte Reindl jedenfalls als "mein größtes Spiel" bezeichnet. Nun hat er es klar verloren.

© SZ/dpa/sid/cca/jki
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