Doping im Reitsport Das Pferd als Sportgerät

Dass es im Reitsport demnächst schärfere Dopingkontrollen geben soll, ist längst überfällig. Doch immer noch können sich Betrüger relativ leicht herausreden.

Ein Kommentar von Claudio Catuogno

Wenn die Kontrolleure der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) mal wieder einen Profi-Reitstall aufsuchen, dann müssen sich selbst die notorischen Trickser der Branche keine Sorgen machen. Dann werden nämlich sie selbst kontrolliert - die Reiter. Ihre Pferde, die eigentlichen Sportler im Parcours, würdigen die Kontrolleure keines Blickes. Als handele es sich um Tennisschläger oder Laufschuhe, um reine Sportgeräte also, deren regelkonformer Zustand erst am Wettkampftag nachzuweisen ist. Eine clevere Betrugsenthüllungsstrategie ist das eher nicht, wo doch, wie inzwischen selbst Unbedarfte wissen, vor allem im Training gedopt wird. Im Wettkampf lassen sich nur noch die Dummen erwischen.

Sorgte mit seinem Salbenskandal für Aufsehen: Der deutsche Olympiateilnehmer Christian Ahlmann.

(Foto: Foto: dpa)

Wenn nun also die deutschen Turnierveranstalter - angetrieben von der Furcht, Sponsoren und Fernsehzeiten zu verlieren - anregen, Trainingstests im Pferdesport einzuführen, am besten von der unabhängigen Nada verantwortet, dann fordern sie bloß, was längst eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Einfach umzusetzen ist das Ansinnen dennoch nicht. Bei Vierbeinern erschöpft sich die Dopingprobe ja nicht darin, ihnen ein Becherchen hinzustellen.

Es fehlen Knowhow und feste Regelungen

Man braucht tierärztliches Knowhow, über das die Nada noch nicht verfügt. Wenn man aber bei den Tests schon nicht auf die Verbände (die ja immer auch Partei sind) verzichten kann, dann sollten sich die Verbände wenigstens bei der Sanktionierung von Verstößen einer neutralen Instanz unterwerfen, wie es die Turnierveranstalter ebenfalls verlangen: dem nationalen Sport-Schiedsgericht.

Doch das Kernproblem der Betrugsbekämpfung im Pferdesport würde auch das nicht lösen: die Unterscheidung in das böse "Doping" und die weniger böse "verbotene Medikation", also jene Regel, wonach im Training erlaubte Mittelchen am Wettkampftag nicht mehr im Pferdekörper nachgewiesen werden dürfen. Der sensibilisierten Öffentlichkeit ist dieser Kniff kaum zu vermitteln. Und den Reitern liefert er regelmäßig jene Ausreden, die sich meist strafmildernd auswirken: Sie wollten ja nur ihre Pferde behandeln. Und nicht etwa fit spritzen.

Die verschärften Strafen, die nun im Gespräch sind, würden zumindest eines signalisieren: das Ende der Gutgläubigkeit. Ein Jahr Sperre bereits bei Medikations-Vergehen, dazu zwei Jahre Nationalmannschaftspause. Letzteres droht auch Christian Ahlmann, der mit seinem Salbenskandal von Hongkong gegen alle Vereinbarungen verstoßen hat. Doch wie nennen das nun dessen Kollegen? "Unfair", "schockierend", "Wildwest". Viel scheinen sie nicht begriffen zu haben.

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