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Doping im Fußball:Freifahrtschein

In der Fußball-Regionalliga wird seit einem Jahr nicht auf Doping getestet. Der Grund ist Geldmangel. Der DFB verweist auf die Regionalligen, die aber haben keine Mittel - und die Politik fühlt sich nicht zuständig: Der Fußball, heißt es, habe ja genügend Geld.

Vielerorts wird jetzt wieder geschimpft über diese unverständliche Konstellation. Am Donnerstag beginnen die Playoff-Spiele der Regionalliga, und Beteiligte und Fans sind verstört, wie es nur möglich sein kann, dass die Meister der fünf Staffeln nicht direkt aufsteigen, sondern ein Zusatzspiel bestreiten müssen. Mit der kommenden Saison wird dieses schwere Dauerthema zumindest etwas leichter, weil dann immerhin drei Meister direkt aufsteigen und nur zwei eine Playoff-Partie zu absolvieren haben.

Aber neben der Aufstiegsfrage gibt es in der Regionalliga eine zweite unverständliche Konstellation, und da deutet gerade nichts auf eine Verbesserung hin: ein nicht existierendes Dopingkontroll-System.

In der Saison zuvor gab es noch 350 Kontrollen - die wollte der DFB nicht mehr finanzieren

In der abgelaufenen Regionalliga-Spielzeit mit 1602 Partien in den Staffeln Bayern, Südwest, West, Nord und Nordost gab es nicht einen einzigen Dopingtest, wie die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) der SZ bestätigte. Auch bei den sechs nun anstehenden Playoff-Spielen wird nicht getestet. Die Zahl der Kontrollen im Fußball ist generell überschaubar, auch in den oberen deutschen Ligen und bei internationalen Wettbewerben. In den Regionalligen hingegen hätten potenzielle Manipulateure sogar einen Freifahrtsschein.

Der Grund für das Fehlen der Tests liegt an der fehlenden Finanzierung durch den Fußball. 140 000 Euro bräuchte es laut Nada, um das - überschaubare - Niveau der Vorsaison von 350 Kontrollen zu halten. Bis Sommer 2017 zahlte dies der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Seither weigert er sich. Das Argument: Der DFB sei nicht der Träger der Regionalliga, dies sind die Regionalverbände. Aus Gründen der Gemeinnützigkeit dürfe der DFB nicht die Zahlungen übernehmen. Die Klubs wiederum seien "finanziell überfordert", teilt der DFB mit - auch weil es für die 92 Regionalligisten "im Gegensatz zu anderen Sportarten" keine Bezuschussung durch den Bund gäbe. Doch das Bundesinnenministerium fühlt sich nicht zuständig. Es unterstützt gemeinhin nur Disziplinen, die es nicht schaffen, aus eigener Kraft genügend Mittel zusammenzubekommen. Der reiche Fußball zählt dazu nicht.

Schon im Winter, nach der Regionalliga-Hinrunde ohne Test, hatte Nada-Vorstand Lars Mortsiefer erklärt, dieser Zustand sei "nicht akzeptabel" und ein "falsches Signal". Da hatte die Anti-Doping-Agentur noch gehofft, dass sich die Situation bessern werde. Denn die Regionalliga mag zwar nur die vierthöchste Spielklasse sein, aber bei vielen Teams, nicht zuletzt bei einigen der aktuellen Playoff-Teilnehmer, liegen profiähnliche Bedingungen vor. Zudem kommen dort oft junge Talente von Profiklubs zum Einsatz.

Entsprechend sinnvoll erscheinen Kontrollen. Doch die Situation änderte sich nicht. Stattdessen spielten die fünf Regionalliga-Staffeln ihren Meister ohne Kontrolleure aus. "Wir hoffen sehr, dass sich das bald ändert", sagte Mortsiefer. Bislang gibt es dazu aus dem Fußball jedoch keinen Hinweis.