Doping Brief an Putin

Russische Leichtathleten setzen sich schriftlich für den lebenslang gesperrten Geher-Trainer Viktor Tschegin ein.

Russische Leichtathleten haben sich in einem Brief an Staatspräsident Wladimir Putin für den lebenslang wegen Dopings gesperrten Geher-Trainer Viktor Tschegin eingesetzt. Der Kremlchef solle helfen, den "guten Namen und das sportliche Erbe" des Coachs zu bewahren, heißt es in dem am Dienstag in Moskau veröffentlichten Schreiben.

Zu den Unterzeichnern gehören die Geher Olga Kaniskina und Sergej Kirdjapkin. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London hatte Kirdjapkin Gold über 50 Kilometer gewonnen, Kaniskina holte bei den Frauen Silber über 20 Kilometer. Wegen Dopings müssen beide ihre Medaillen aber zurückgeben. Kirdjapkin war Anfang Januar 2015 wegen auffälliger Werte in seinem biologischem Pass zunächst rückwirkend ab dem 15. Oktober 2012 für 38 Monate gesperrt worden. Allerdings hatte die russische Anti-Doping-Agentur Rusada bei ihm und anderen Athleten die Ergebnisse nicht für den gesamten Zeitraum der Auffälligkeiten annulliert - dagegen hatte der Leichtathletik-Weltverband IAAF Einspruch beim Internationalen Sportgericht Cas eingelegt. Der Cas dehnte die Sperre nun auch auf die London-Spiele aus.

Tschegin war lange Jahre Cheftrainer des nationalen Geher-Zentrums in Saransk. Vergangene Woche war er von der Rusada lebenslang gesperrt worden. Grund waren immer wieder neue Dopingverstöße von Athleten, die er betreut hatte. Die Autoren des Briefes an Putin würdigten Tschegin hingegen als "großen Trainer und echten Patrioten". Die Rusada habe unter "riesigem internationalem Druck" eine "politische und außerordentlich subjektive" Entscheidung getroffen.

Russlands Ruf als Sportnation leidet seit Monaten unter immer neuen Doping-Vorwürfen und Enthüllungen. Den Leichtathleten droht der Komplett-Ausschluss von den Olympischen Spielen im August in Rio de Janeiro. Auch zahlreiche Fälle von Doping mit der seit Jahresbeginn verbotenen Substanz Meldonium wurden zuletzt bekannt.