Dominik Köpfer:Privileg der Schuhe

Lesezeit: 2 min

2019 US Open - Day 1

Multitalent mit College-Ausbildung: Dominik Köpfer.

(Foto: Al Bello/AFP)

Der deutsche Qualifikant Dominik Köpfer etabliert sich auf der Tennis-Tour - und genießt geradezu luxusartige Veränderungen.

Von Jürgen Schmieder, New York

Mumm. Das ist die, glaubt man Richard Dickson, herausragende Eigenschaft von Tennisprofi Dominik Köpfer. Dickson ist der Sportdirektor der Tulane University gewesen, als Köpfer dort studierte, am Montagabend stand Dickson auf der Terrasse über Court 8 der Tennisanlage in Flushing Meadows und betrachtete die Partie seines ehemaligen Studenten gegen Jaume Munar aus Spanien. Der deutsche Qualifikant schaffte 73 Gewinnschläge, leistete sich indes 88 unerzwungene Fehler, am Ende gewann er 6:4, 7:6 (2), 5:7, 7:5 - auch wegen dieser von Dickson erwähnten herausragenden Eigenschaft.

"Im dritten Satz haben erst die Nerven gewackelt und dann der Körper", sagte Köpfer, der in diesem Durchgang bereits 5:2 geführt hatte, ehe er einbrach. Im vierten Satz lag er mit einem Break zurück, die Partie drohte zu kippen. "Ich habe mir Salzpackungen geben lassen, dann ging es wieder", sagte er: "Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, ob ich einen fünften Satz durchgehalten hätte. Ich bin froh, dass ich da auch ein bisschen Glück hatte."

Es ist kein Affront, wenn man behauptet, dass Dominik Köpfer, 25, aus Furtwangen eher zufällig Tennisprofi geworden ist. Er war ein sportliches Multitalent, probierte Fußball, Golf und Skifahren - Tennis spielte er ein- oder zweimal pro Woche. Dann kam er überraschend ins Finale der deutschen U16-Meisterschaft und erkannte, dass er es ja mal intensiver mit dieser Disziplin versuchen könnte. "Ich war nicht so gut, dass ich Profi hätte werden können", sagte er über den Umweg über eine amerikanischen Universität, den er wählte: "Es wird professionell trainiert, es gibt Physiotherapeuten und Krafttrainer, mehr hat ein Profi auch nicht zur Verfügung."

Er spielte in der Uni-Auswahl zunächst auf hinteren Positionen in einem mittelmäßigen Team. "Er ist bescheiden, fast schüchtern - auf dem Platz jedoch explodiert er, da ist er mutiger Kämpfer", sagte Dickson über seinen früheren Studenten, der drei Jahre nach seiner Ankunft in New Orleans die amerikanische College-Meisterschaft gewann: "Wir haben ihn ein bisschen gefördert, nun aber ist er gut genug, dass er für sich selbst sorgen kann." In Wimbledon erreichte Köpfer in diesem Sommer erstmals die zweite Runde eines Grand-Slam-Wettbewerbs, beim Challenger-Turnier in Santa Cruz/Kalifornien vor drei Wochen das Finale.

"Es hat sich schon was getan seit Wimbledon: Ich muss mir zum Beispiel keine Schuhe mehr kaufen, weil ich nun einen Ausrüster habe", erzählte er nun. Durch den Einzug in die zweite Runde der US Open - er hatte das Hauptfeld unter anderem durch einen Sieg gegen den Franzosen Nicolas Mahut erreicht - bekommt er ein Preisgeld in Höhe von 100 000 Dollar; es könnte noch mehr werden. Am Mittwoch spielt Köpfer gegen Reilly Opelka (USA), gegen den er im Frühjahr nach mehreren vergebenen Matchbällen 12:14 im Tiebreak des entscheidenden Satzes verloren hatte. "Alles ist möglich", sagt er über den Monster-Aufschläger Opelka. Und dann bestätigt er Dicksons These der herausragenden Eigenschaft: "Ich werde auf jeden Fall mutig agieren."

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