Clemens Tönnies:"Kein Rassist"

Clemens Tönnies

Clemens Tönnies.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Die Ethik-Kommission des DFB verzichtet auf ein Verfahren gegen den Schalker Aufsichtsratschef Tönnies - trotz dessen rassistischer Äußerungen. Spannend wird, wie die Fans beim Heimspiel gegen Berlin reagieren.

Die von der DFB-Ethikkommission als "rassistisch" gewerteten umstrittenen Afrika-Äußerungen bleiben für den Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies zumindest von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes folgenlos. Das Gremium verzichtet auf ein Verfahren gegen den 63 Jahre alten Fleischfabrikanten. "Der Verzicht auf eine Anklageerhebung ist zunächst darin begründet, dass Herr Tönnies bei der eingehenden Anhörung und Befragung überzeugend vermitteln konnte, dass er kein Rassist ist", teilte die Ethikkommission am Donnerstag mit.

"Wir sind auch fest davon überzeugt, dass er eine solche Äußerung auch in Zukunft nie mehr tun wird. Er war selbst entsetzt über diese Aussage", sagte der Kommissions-Vorsitzende Nikolaus Schneider. Der vierköpfigen Kommission gehören die zugelassene Betrugsermittlerin Birgit Galley, die auf Sportrecht spezialisierte Rechtsanwältin Anja Martin, Rechtsanwalt Bernd Knobloch sowie Schneider an, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Tönnies bedankte sich in einem Statement für "das faire Verfahren und ein sehr wertvolles Gespräch". Der Schalker Aufsichtsratschef hatte vor gut einem Monat als Festredner beim "Tag des Handwerks" in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, so Tönnies. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Öffentlich wurde dies teilweise als rassistisch bezeichnet. "Diese Qualifizierung erfolgte nach allgemeinen Sprachverständnis zurecht", befand die Ethikkommission und widersprach damit der Einschätzung des Schalker Ehrenrats, dass den Rassismus-Vorwurf als "unbegründet" eingestuft hatte. "Sein Satz wäre zumindest geeignet, rassistisches Gedankengut an anderer Stelle zu unterstützen", befand die DFB-Kommission. Allerdings sieht die Kommission einen Unterschied zwischen dem, was Tönnies sagte und dem, was er darstellt. "Es ist ein Grundsatz der Ethik, dass wir zwischen Person und Sache unterscheiden", erklärte Schneider.

Tönnies kündigte an, sich in Zukunft stärker gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren zu wollen. "Die Entscheidung und die Wertungen der Ethikkommission akzeptiere ich in jeder Weise und aus vollem Herzen", heißt es in seiner Stellungnahme. Auch seinen "Einsatz für den afrikanischen Kontinent" werde er verstärken, versprach Tönnies. Im Falle einer Anklage hätte sich Tönnies der DFB-Gerichtsbarkeit stellen müssen. Dabei hätte eine Rüge, Ermahnung, Geldstrafe oder auch eine Sperre gedroht. Zuvor war er bereits beim FC Schalke 04 einer Amtsenthebung entgangen. Nach Beschluss des Schalker Ehrenrates lässt Tönnies derzeit stattdessen sein Amt für drei Monate ruhen.

Für seine Aussagen hatte sich Tönnies bereits entschuldigt und sie selbst als "töricht" bezeichnet. Vor der Kommission habe Tönnies nun auch ausreichend Reue gezeigt, meinte das Gremium des DFB. "Das von ihm nun in Aussicht genommene Eintreten gegen Rassismus innerhalb der Arbeit des DFB und ein weitergehendes Engagement in und für Afrika ist für die Kommission glaubhaft", hieß es. Die Ethikkommission setzte darauf, dass die entstandene "öffentliche Debatte" über Tönnies "zu einem verstärkten Einsatz gegen Rassismus im Fußball führen wird".

© SZ vom 30.08.2019 / dpa
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