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Bob-WM:Kim Possible kommt aus dem Nichts

Für Kim Kalicki war im Weltcup kein Platz, nun rettet sie die Bilanz der deutschen Bobfahrerinnen auf einer der schwersten Bahnen der Welt.

Die Siegerin, die aus dem Nichts kam, machte sich ziemlich gut auf dem Podest. Kim Kalicki stieg auf die zweite Stufe des Treppchens von Altenberg, winkte in die johlende Menge und freute sich über diesen völlig unerwarteten Silbermedaille: Ausgerechnet die Junioren-Weltmeisterin, die Nachrückerin, hat den deutschen Bob-Frauen bei dieser schwierigen Heim-WM die Bilanz gerettet.

"Das fühlt sich toll an, aber realisieren kann ich es noch nicht", sagte Kalicki, 22, die Wiesbadenerin war vor der WM lediglich zweimal im Weltcup gestartet war: "Dass Silber rauskommt, das ist Bombe." Kim Possible nennen sie die Bobfahrerin zuhause, und tatsächlich schien an diesem Samstag alles möglich. Sogar die Goldmedaille war nicht weit weg, nach vier Läufen fehlten nur 0,37 Sekunden auf die favorisierte Kaillie Humphries (USA).

Gewissheit nach der letzten Fahrt: Kim Kalicki und Kira Lipperheide holen bei der Heim-WM in Altenberg Silber im Zweierbob.

(Foto: Jens Meyer/AP)

Dabei hatte sie erst durch den Sieg bei der Junioren-WM vor zwei Wochen in Winterberg das Ticket für die WM in Altenberg gesichert, Kalicki galt mit ihrer Anschieberin Kira Lipperheide eher als Ergänzung des Kaders hinter den erfahrenen Pilotinnen um Mariama Jamanka.

Die Titelverteidigerin Jamanka war am Ende 1,2 Sekunden hinter der Siegerin, verlor im letzten Lauf mit Annika Drazek noch den Bronzerang und wurde Vierte hinter der Kanadierin Christine de Bruin - auch, weil sie im entscheidenden Lauf zeitweise das Lenkseil aus den Fingern verlor. Das Ergebnis passte in eine für die Olympiasiegerin ernüchternde Saison. "Es kann nicht jedes Jahr aufwärts gehen, damit müssen wir rechnen", sagte sie.

Bob Weltmeisterschaft

Pure Emotion: Nach dem vierten Durchgang liegen sich Pilotin Kim Kalicki (rechts) und Anschieberin Kira Lipperheide vor Freude über den zweiten Platz in den Armen.

(Foto: Robert Michael/dpa)

Am Sonntagabend wird dann mit großer Sicherheit ein deutscher Athlet die oberste Stufe besteigen: Francesco Friedrich deklassierte die Männer-Konkurrenz im Zweierbob geradezu und führt nach zwei Läufen mit fast einer Sekunde Vorsprung.

Bei den Frauen herrschte noch bis zum letzten Lauf Spannung im Kampf um Gold, bei den Männern ist ein Scheitern Friedrichs in den beiden entscheidenden Durchgängen am Sonntag (14.30/16.00) kaum noch vorstellbar. Der Doppel-Olympiasieger führt ein deutsches Quartett an, gemeinsam mit Anschieber Thorsten Margis deklassierte er die Gegner dabei geradezu: 0,94 Sekunden trennen den Sachsen vom zweitplatzierten Nico Walther mit Eric Franke. Johannes Lochner hat mit Christopher Weber als Dritter schon 1,09 Sekunden Rückstand auf die Spitze, Junioren-Weltmeister Richard Oelsner (+1,10) belegt mit Malte Schwenzfeier den vierten Rang. "Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, dass es heute so deutlich wird", sagte Friedrich: "Im Training standen uns die anderen auf der Hacke. Aber wir haben uns jahrelang auf diese WM vorbereitet, wir wussten genau, was wir heute tun, welches Material wir bei diesen Bedingungen brauchen." Alles deutet nun auf Friedrichs sechsten Zweier-Titel nacheinander hin. Eine solche Serie hat es im Bobsport noch nicht gegeben.

© SZ vom 23.02.2020 / dpa
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