Basketball Eine Nische hinter Nowitzki

Zwei Würzburger in Dallas: Der derzeit noch nicht wieder einsatzfähige Dirk Nowitzki (links) betätigt sich in der Zwischenzeit als Mentor für Maxi Kleber.

(Foto: Kevin Jairaj/Witters)

Der Würzburger Maxi Kleber hat sich bei den Dallas Mavericks in der NBA etabliert. Was nicht nur daran liegt, dass sein großes Vorbild auf dem Flügel etwas Platz gemacht hat für die jüngeren Kollegen.

Von Joachim Mölter

Es liegt natürlich nah, Parallelen zu ziehen zwischen den Basketballern Dirk Nowitzki und Maximilian Kleber. Beide sind fast gleich groß, mehr oder weniger um die 2,10 Meter, beide stammen aus Würzburg, wo beide einst mit der Trikotnummer 14 für den dortigen Bundesligaklub aufgelaufen sind, und jetzt sind beide in der nordamerikanischen Profiliga NBA beim gleichen Klub unter Vertrag, bei den Dallas Mavericks. Nowitzki trägt dort die Nummer 41, Kleber die 42.

"Es ist natürlich ein witziger Zufall, dass Dirk und ich aus der gleichen Stadt kommen und jetzt im gleichen NBA-Team sind", sagt Maximilian Kleber, den alle nur "Maxi" nennen, und fragt: "Wie hoch ist denn da die Wahrscheinlichkeit?"

So gering, dass allgemein lieber geglaubt wird, die 40 Jahre alte Klub-Ikone Dirk Nowitzki müsse sich persönlich für die Verpflichtung eines Nachfolgers aus seiner Heimatstadt eingesetzt haben. Das sei aber nicht so gewesen, versichert Kleber; es habe durchaus noch andere NBA-Teams gegeben, die an seinen Diensten interessiert gewesen seien. "Und an solchen Transfer-Entscheidungen sind eher Manager und Trainer beteiligt", weiß der 26-Jährige: "Dirk hat sich da nicht eingemischt."

Maxi Kleber kennt seine Qualitäten als Verteidiger - "das bringt mich ins Spiel"

Es hat Maxi Kleber allerdings auch nicht geschadet, dass er auf einen fränkischen Landsmann traf, als er im Sommer 2017 vom FC Bayern München kommend nach Dallas wechselte. "Ich war schon sehr früh hier, weil der Klub wollte, dass ich noch an ein paar Baustellen meines Körpers arbeite, und Dirk hat das gleiche gemacht", erzählt Kleber: "Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, er hat mich zu sich und seiner Familie nach Hause eingeladen, was ziemlich cool war, weil ich in Dallas ja niemanden kannte." Mittlerweile bezeichnet Kleber seinen berühmten Vorgänger als "sehr guten Freund", aber er weiß, dass ihm auch das nicht in die Mannschaft verhilft im harten Basketball-Geschäft der USA. "Spielzeit wird einem nie garantiert in der NBA", sagt er: "Man muss sich seinen Platz erarbeiten."

Und genau das ist Maxi Kleber gelungen in dieser noch jungen NBA-Saison.

In seinem ersten Jahr in Dallas ist er noch hin und her geschoben worden, mal stand er überraschend in der Startformation, dann saß er wieder auf der Bank; mal wurde er gar nicht eingewechselt, mal erst am Schluss einer Partie. "Dann kommst du rein, bist kalt, stocksteif, kannst dich eigentlich gar nicht so richtig bewegen", erzählt er: "Aber du musst hier auf alles vorbereitet sein." Nun, in seiner zweiten Saison, wird Maxi Kleber regelmäßiger eingesetzt - und das hat nicht nur damit zu tun, dass Dirk Nowitzki wegen der Nachwehen einer Fußoperation noch nicht einsatzfähig ist. Der große alte Mann der Mavericks geht in seine 21. NBA-Saison, er hat auf dem Flügel längst Platz gemacht für Kleber und Kollegen und ist auf die Center-Position gerutscht, wo er sich nicht mehr ganz so viel und so schnell bewegen muss.

Im Konzept von Mavericks-Coach Rick Carlisle spielt Kleber nun jedenfalls eine feste Rolle, zwar nicht unter den ersten Fünf, die er aufs Parkett schickt, aber in der zweiten Reihe dahinter. Er hat sozusagen einen Stammplatz in einer Nische. "Ich weiß, dass ich in der Defensive zuverlässig bin", sagt Kleber, "und das bringt mich ins Spiel." Er weiß aber auch: "Ich muss noch an meinem Angriffsspiel arbeiten, das ist der Schlüssel, um noch mehr Spielzeit zu bekommen."

Im Vergleich zur seinem ersten Jahr bei den Mavericks sind alle seine Zahlenwerte im Aufwärtstrend, er spielt im Schnitt länger (18 Minuten), erzielt mehr Punkte (6,5), fängt mehr Rebounds (3,9), blockt mehr Würfe des Gegners ab (1,3). Sogar seine Trefferquote bei den Distanzwürfen stieg zu Saisonbeginn an, auf fast 40 Prozent. Die Umstellung auf eine weiter entfernte Drei-Punkte-Linie hatte ihm in seiner ersten NBA-Saison die meisten Probleme gemacht, gibt Kleber zu: In Europa ist diese Linie 6,75 Meter vom Korb entfernt, in der NBA noch einen halben Meter weiter. "Der Wurf von außen ist natürlich was ganz anderes", hat Kleber festgestellt und deshalb im Sommerurlaub speziell daran gearbeitet, zunächst in Bamberg beim dortigen Individualcoach Stefan Weissenböck. Später in Dallas hat er dann noch Tipps bekommen von Nowitzkis Entdecker und Förderer Holger Geschwindner.

Zu Saisonbeginn war Mavericks-Coach Carlisle noch sehr angetan von Klebers stabilerem Wurf, er bezeichnete ihn als "big game changer", als großen Einflussfaktor im Spielverlauf: "Er gibt uns mehr Variationsmöglichkeiten." In den letzten fünf Partien hat Kleber freilich nur noch einen Dreier getroffen, bei 13 Versuchen; er weiß, dass er sein Fingerspitzengefühl schnell wieder finden muss, sonst wird ihm der offensivstärkere Kollege Dwight Powell demnächst wohl häufiger vorgezogen.

Die Mavericks sind etwas rumpelnd in diese Saison gestartet mit einer Bilanz von 3:8 Siegen, dabei haben sie sich vor der Saison mit dem routinierten Center DeAndre Jordan, 30, verstärkt sowie mit dem vielversprechenden Luka Doncic, 19. "Wir haben zu viel Talent im Team, um es so zu verschwenden", findet Kleber. Nun kommt allerdings als nächster Gegner am Samstagabend das Team von Oklahoma City Thunder nach Dallas, und zwar mit dem Schwung von sieben Siegen in Serie. Für Kleber ist es auch ein Wiedersehen mit dem Nationalteamkollegen Dennis Schröder, der bei Thunder gerade die Geschäfte führt, in Abwesenheit des angeschlagenen Spielmachers Russell Westbrook.

Schröder hat sich als Offensiv-Könner in der NBA etabliert, so wie einst auch Nowitzki. Maxi Kleber weiß, dass er auch in dieser Hinsicht lieber keine Parallelen zu den besten Deutschen in der NBA ziehen sollte. "Ich kenne meine Rolle", sagt er: "Ich muss es über die Defense schaffen."