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Basketball:Duell der Pantomimen

Der FC Bayern schlägt Vechta im Halbfinale deutlich und trifft nun auf Alba Berlin. Die Neuauflage der Vorjahres-Finalserie wird begleitet von Personalspekulationen.

Dejan Radonjic verdrehte die Augen, blies die Backen auf, blickte an die Decke und zuckte mit den Schultern. Sagen wollte der Trainer der Bayern-Basketballer aber nichts zu dem Gerücht, dass T. J. Bray nächste Saison seinem Kader angehöre. Pedro Calles, Coach des Halbfinalgegners Rasta Vechta, kniff die Augen zusammen, blickte finster und zwinkerte den Zuhörern zu. Wusste er mehr? Es war der Wettstreit zweier Pantomimen, die ein bisschen Licht ins Dunkel der Nachrichtenlage bringen wollten, gleichzeitig aber jede belastbare Aussage zu vermeiden suchten. Bray hatte ja eine letzte Empfehlung in München hinterlassen, Vechtas Regisseur war mit 38 Punkten bester Spieler, was freilich an der klaren 80:95-Niederlage gegen die Bayern nichts änderte. Deren Finalgegner in der Basketball-Bundesliga (BBL) ist nun Alba Berlin, Spiel eins der Best-of-five-Serie steigt am Sonntag (18 Uhr) im Audi Dome, denn der Meister hat dank Platz eins nach der Hauptrunde Heimrecht.

Der Titelverteidiger verlor nur im zweiten Viertel kurz den Fokus, die erneut bravourös kämpfenden Gäste nutzten das, um auf zwei Punkte aufzuschließen (38:40) und wenigstens die Illusion einer Überraschung am Leben zu halten. Aber ein Team, das es sich leistet, in Derrick Williams und Petteri Koponen einen Euroleague-gestählten sowie einen NBA-erfahrener Profi erst gegen Ende des ersten Viertels überhaupt aufs Parkett zu lassen, ist für einen Gegner vom Zuschnitt Vechtas nicht zu bezwingen. Die Niedersachsen haben drei, vier Akteure im Kader, die das Spiel tragen und entsprechend viel Einsatzzeit schultern müssen. FCB-Coach Radonjic dagegen muss alle Bediensteten bei Laune halten, denn nahezu jeder Akteur verfügt über die Klasse und Erfahrung, um in solchen Entscheidungsspiele Akzente zu setzen - und drängt aufs Feld.

FC Bayern Basketball v Rasta Vechta - Play Offs Semi Final Game 3

Diesmal noch Gegner, bald Teamkollegen? Bayerns Danilo Barthel (rechts) setzt sich gegen Vechtas Topscorer T.J. Bray durch.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

So fand die märchenhafte Saison der Niedersachsen gegen den übermächtigen Konkurrenten nach drei Niederlagen das absehbare Ende. Spannend ist nun, welche Spuren diese starke Spielzeit beim Gegner hinterlässt. Denn neben Bray stehen auch Schlüsselspieler wie Austin Hollins und Seth Hinrichs auf den Begehrlichkeitslisten der Konkurrenz - und Trainer Calles dazu. Der bedankte sich nach dem Saisonaus bei seinen Spielern und bestätigte, dass man in der kommenden Spielzeit international antreten werde: "Das hat der Klub so entschieden." Ein Satz, der nach Abschied klang. Calles wurde in seiner ersten Saison auf dem Chefsessel zum Trainer des Jahres gekürt, seither schwirren Namen potenzieller Arbeitgeber durch die BBL-Szene, Berlin oder Bamberg etwa. Zumindest können sich mittlerweile alle Teams - die beiden Playoff-Finalisten ausgenommen - fortan mit der Gestaltung der zukünftigen Kader beschäftigen.

Alba ist nach einem ähnlichen Muster wie die Bayern und ebenfalls nach drei Siegen ins Finale eingezogen: Während sich bei Gegner Oldenburg das Spiel auf drei, vier Akteure konzentriert, haben die Berliner einen tief besetzten Kader - und Klassespieler wie Peyton Siva, Rokas Giedraitis oder Luke Sikma. Eben jene Akteure, die in engen Situationen den Unterschied machen. Oldenburg stellte bei der deutlichen 89:100-Heimniederlage in Will Cummings, der 31 Punkte erzielte, zwar den besten Spieler, doch in Rasid Mahalbasic und Rickey Paulding punkteten nur zwei weitere Kollegen zweistellig, bei Berlin waren es deren sechs. Es stehen also zweifellos die beiden besten deutschen Teams im Finale, wobei neben dem Heimvorteil auch die Qualität für den Titelverteidiger spricht. Neben Williams und Koponen hat Trainer Radonjic eine Reihe an international erfahrenen Spitzenkräften zur Auswahl: Akteure wie Vladimir Lucic, Danilo Barthel, Spielmacher Stefan Jovic, der gerade rechtzeitig seine Galaform zu finden scheint, Devin Booker und natürlich Nihad Djedovic.

GER easycredit bbl PlayOff 02 HF RASTA Vechta vs FC Bayern Muenchen 04 06 2019 RASTA Dome 2 0; Basketball FC Bayern

Ohne Worte: FCB-Coach Dejan Radonjic wollte keine Gerüchte über neue Spieler kommentieren. Er freute sich lieber über den Sieg gegen Vechta.

(Foto: Kokenge/imago)

Der Rekord-Korbschütze der Münchner hatte sogar ein paar Worte zum möglichen zukünftigen Teamkollegen beizutragen. Ein toller Spieler sei dieser T. J. Bray, sagte Djedovic, aber dessen Punkterekord würde nur bedingt Auskunft geben, ob er in einem Team von der Qualität des FCB funktionieren würde. Bei Vechta könne er werfen so oft er will - ohne Konsequenzen. "Das ist etwas anderes bei uns, da bekommst du vielleicht fünf Würfe im Spiel - gehen zwei daneben, sitzt du auf der Bank." Der Druck sei ungleich höher, die Gegner sind besser, in der Euroleague spielen die Besten des Kontinents. Und wo Djedovic schon mal mit seinem Impulsreferat begonnen hatte, hatte er noch eine Anmerkung zum Spielplan parat: "Jetzt müssen wir wieder sieben Tage warten bis zum Finale, das gibt es in keiner anderen Liga auf der Welt. Wieso bleibt man nicht im Zwei-Tages-Rhythmus und verlegt die Spiele nach vorne?"

Nun, die BBL will nicht, die Termine stehen, auch Berlin muss bis Sonntag auf den Showdown warten. Alba-Coach Aíto García Reneses, der 72-jährige Grandseigneur der Liga, wollte zunächst nichts zum Finale sagen, er lobte lieber das Oldenburger Publikum. Aito ist ebenfalls kein Mann großer Worte, er kann dafür mit den Augen sprechen. Die versteckte er aber hinter dem Schirm einer tief ins Gesicht gezogenen Kappe - Lichtempfindlichkeit.