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Basketball:Das Ende der Schwermut

rechts 15 Trevis Simpson (RASTA Vechta) links Bryce Taylor (Brose Bamberg, 44) Brose Bamberg - RASTA Vechta - easyCredi

„Altmeister“ und „absolute BBL-Legende“: Bryce Taylor (l.) wird in Hamburg euphorischer begrüßt, als er in Bamberg verabschiedet wurde.

(Foto: imago)

Mit dem Abschied von Bryce Taylor sind die Abbrucharbeiten beim Bundesligisten Bamberg beendet.

Von Joachim Mölter

Am 24. August fängt der Trainer Johan Roijakkers an, die Profis von Brose Bamberg auf die neue Saison der Basketball-Bundesliga (BBL) vorzubereiten; der in diesem Sommer neu verpflichtete Niederländer kann dann vollkommen unbelastet an die Arbeit gehen, mit einem nach seinen Wünschen zusammengestellten Kader. In dieser Woche ist der neunmalige deutsche Meister nämlich auch den letzten Spieler losgeworden, der noch bleischwermütig an frühere, glorreiche Zeiten erinnerte und einem kompletten Neuaufbau im Weg stand. "Bryce Taylor ist nicht länger Spieler von Brose Bamberg", teilte der Klub kurz und knapp mit und wünschte ihm noch "alles Gute für die Zukunft". Damit war ein Engagement Vergangenheit, das zuletzt für beide Seiten zunehmend frustrierend geworden war.

Der aus Göttingen gekommene Roijakkers hatte gleich nach seinem Amtsantritt einen radikalen Umbau des Bamberger Kaders eingeleitet und dabei auch deutlich gemacht, dass er nicht mehr mit Bryce Taylor plane, selbst wenn der Routinier noch einen gültigen Vertrag besitze. Der wurde nun nach zähen Verhandlungen aufgelöst, wohl nicht kostenneutral für den Klub. Tags darauf hieß der Bundesliga-Rivale Hamburg Towers den 1,95 Meter großen Shooting Guard geradezu überschwänglich willkommen: als "Altmeister", "Identifikationsfigur", "absolute BBL-Legende" wurde der seit 2009 in Deutschland tätige Mann aus Los Angeles vorgestellt.

Ähnlich euphorisch war Taylor einst auch in Bamberg präsentiert worden: Nach dem Titel-Hattrick unter Trainer Andrea Trinchieri freuten sich die Franken im Sommer 2017, dass es ihnen gelungen war, dem großen FC Bayern München nicht nur erneut die Meisterschaft weggeschnappt zu haben, sondern erstmals auch einen wichtigen Spieler: Taylor war damals Kapitän der Münchner gewesen.

Und der freute sich über einen gut dotierten, langfristigen Vertrag, den sein Berater von der in Europa führenden Agentur Beobasket für ihn ausgemacht hatte: Zur ursprünglichen Laufzeit von drei Jahren verhandelte er später sogar noch eine automatische Verlängerung um eine Saison hinein, falls Taylor einen deutschen Pass bekäme (was ihm zwischenzeitlich gelang). Dem Vernehmen nach war Taylor dann der höchstbezahlte deutsche Profi in der BBL; wenn es stimmt, was das Internetportal sport.de nach der WM 2019 schrieb, dass nämlich der damalige FC-Bayern-Kapitän Danilo Barthel 750 000 Euro netto verdienen soll, kann man die Größenordnung von Taylors Gehalt abschätzen.

Dumm war nur, dass er dafür kaum eine entsprechende Gegenleistung bringen konnte, auch zum Unmut der Fans: In seiner ersten Saison bei Brose riss Taylor die rechte Achillessehne, eine Verletzung, die für viele Basketballer ein Karrierekiller ist, zumal für solche jenseits der 30. Kaum einer konnte danach an frühere Leistungen anknüpfen, auch Bryce Taylor schaffte es nicht. Er kam zwar zurück aufs Spielfeld, aber die Zeiten, in denen er regelmäßig zweistellige Punktzahlen erzielte, waren vorbei. In der vergangenen Saison sank seine Ausbeute auf 2,8 Punkte pro Partie. Bei Finalturnier in München fehlte er ganz, nun schmerzte die linke Achillessehne. Dass er im Belgier Roel Moors schon den fünften Cheftrainer in seiner Bamberger Zeit vorgesetzt bekommen hatte, dürfte seinem Wohlbefinden auch nicht zuträglich gewesen sein. Taylor gilt als sensibel, in der Szene heißt es, er brauche ein harmonisches Umfeld.

Das erhofft er sich nun in Hamburg, wo er den Kollegen Kameron Taylor wiedersehen wird, von dem sich Bamberg schon einige Wochen zuvor getrennt hatte. "Ich weiß, dass ich für einen Basketballer etwas älter bin", sagt der im September 34 werdende Profi, "aber ich bin definitiv noch nicht fertig." Er arbeite gerade daran, bis zum Saisonbeginn wieder hundertprozentig fit zu werden und versicherte: "Es sieht sehr gut aus." Zweifellos: Auch Bryce Taylor freut sich auf einen unbelasteten Neuanfang.

© SZ vom 14.08.2020

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