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Basketball:Abschied der Familienfreunde

Deutschland, Muenchen, Audi Dome, 02.02.2020, FC Bayern Muenchen vs. s.Oliver Wuerzburg, Basketball, BBL Bild: v. l. Ass; Basketball - FC Bayern - Oliver Kostic Emir Mutapcic

Der Basketball steht im Vordergrund, nicht der Posten: Emir Mutapcic (li.) arbeitete seit 2013, Oliver Kostic seit 2014 beim FC Bayern.

(Foto: imago images/HMB-Media)

Basketball-Chefcoach Andrea Trinchieri organisiert seinen Stab beim FC Bayern neu: Die langjährigen Trainer Oliver Kostic und Emir Mutapcic verlassen den Klub.

Von Ralf Tögel

Um zu verdeutlichen, welche Qualität dieser Co-Trainer hat, reicht es, eine Geschichte seiner Karriere zu kennen: Im Mai 2014 bekam Emir Mutapcic als Assistent von Svetislav Pesic beim späteren deutschen Basketball-Meister FC Bayern München das Angebot, als Cheftrainer ein Team zu übernehmen. Es ging aber nicht etwa um einen Bundesligakonkurrenten. "Muki", wie er in der Szene nur gerufen wird, sollte den zum Nachwuchscoach degradierten Frank Menz ablösen und die deutsche Nationalmannschaft übernehmen. Aufgabe war die erfolgreiche Qualifikation für die Europameisterschaft 2015, die unter anderem in Deutschland stattfand. Mutapcic erfüllte die Mission - und rückte dann beim FC Bayern wieder ins zweite Glied zurück.

Diese Entscheidung ist Ausdruck dafür, dass es dem heute 60-Jährigen stets mehr um den Basketball als um den Posten ging. Mutapcic war viel mehr als der ewige Weggefährte von Svetislav Pesic, unter dem er 2012 im deutschen Nationalteam assistierte und dem er 2013 zum FC Bayern gefolgt war. Mutapcic stand bei vielen großen Vereinen, wie Berlin, Braunschweig oder dem polnischen Erstligisten Anwil Włocławek in der Verantwortung, trainierte neben Deutschlands A-Team auch die U20 sowie die Auswahl von Bosnien-Herzegowina. Nun verlässt der einstige Nationalspieler sowie Olympiateilnehmer Jugoslawiens nach drei Meistertiteln in der Bundesliga (2014, 2018 und 2019) und einem Pokaltriumph den entthronten deutschen Meister. Was auch für seinen letzten Chef in München gilt: Oliver Kostic, der sich ebenfalls einer neuen Aufgabe stellen will.

Kostic, 47, war 2014 zum aufstrebenden Nachwuchsbereich FC Bayern gestoßen, schon 2015 wurde er mit der U19 deutscher Meister und schaffte mit der zweiten Mannschaft, die in der Mehrheit aus eigenen Talenten bestand, den Aufstieg in die zweite Liga ProB. Im April 2018 rückte Kostic als Co-Trainer zu den Profis auf, feierte unter Dejan Radonjic 2018 und 2019 den Meistertitel, um diesen im Januar 2020 als Cheftrainer zu beerben. Nach dem schwachen Abschneiden beim Finalturnier in eigener Halle war indes klar, dass seine Zeit als Cheftrainer vorbei ist.

Mutapcic wie Kostic stellten sich stets klaglos in den Dienst des Klubs, weshalb in den Worten von Geschäftsführer Marko Pesic auch Wehmut herauszuhören ist: "So eine lange Zeit bei einem Verein zu sein, ist heutzutage außergewöhnlich im Profisport und sagt schon viel aus. Sie werden mit der positiven Entwicklung des Vereins immer verbunden bleiben", sagte er. "Es ist kein Geheimnis, dass hier auch Freundschaften entstanden sind und nicht nur deshalb wünschen wir ihnen alles Gute und werden sie nicht aus den Augen verlieren." Mutapcic wie Kostic sind seit Jahren Freunde der Familie Pesic.

Nun aber regiert Andrea Trinchieri im Audi Dome, nach fünf neuen Spielern hat der neue Chefcoach nun auch seinen Stab neu organisiert. In Adriano Vertemati wird ein Landsmann an die Isar wechseln, der 39-Jährige ist freilich ebenfalls mit viel Erfahrung ausgestattet. Vertemati trainierte in den vergangenen neun Jahren den italienischen Zweitligisten Treviglio und betreut aktuell auch die italienische U20-Auswahl. Davor stand der Mailänder einige Jahre als Co-Trainer und Nachwuchscoach der U19 beim italienischen Topklub Benetton Treviso an der Seitenlinie.

Zudem rückt in Demond Greene ein erfolgreicher Trainer aus dem Nachwuchsbereich zu den Profis auf - sozusagen auf den Spuren von Oliver Kostic. Greene schloss sich als Nationalspieler und EM-Silbermedaillengewinner vor ziemlich genau zehn Jahren dem damaligen Zweitligisten FC Bayern an, mit dem er vier Jahre später Meister wurde. Anschließend wurde der 41-Jährige im Nachwuchsbereich der Bayern integriert, mit der U19 wurde er 2017 deutscher Meister und coachte seither das ProB-Farmteam. Dritter im neu formierten Trainerteam ist Marcus Lindner, 41, der seit 2015 Athletikcoach des russischen Eurocupteams Kazan war. Er folgt auf Dragan Gacevic, dessen Ziel wie bei Mutapcic und Kostic unbekannt ist.

Damit sind die Planungen bei den Bayern aber noch nicht abgeschlossen: Den bisher fünf Spielerzugängen könnte noch ein weiterer folgen.

© SZ vom 06.08.2020

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