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Baseball:Gefährdetes Imperium

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Top-Zugang: Sven Schüller, einer von Deutschlands besten Werfern, sollte Regensburg eigentlich dabei helfen, diese Saison Meister zu werden.

(Foto: Andreas Dick/imago)

Sollte Regensburg die Corona-Krise nicht überstehen, hätte der gesamte Baseballsport in Deutschland ein Problem.

Die letzte Deutsche Meisterschaft der Regensburg Legionäre liegt schon sieben Jahre zurück, doch für 2020 hatten sich die Oberpfälzer Baseballer gute Chancen auf den Titelgewinn ausgerechnet. Unter anderem deshalb, weil in Sven Schüller einer der besten deutschen Werfer zurückgekehrt war. Sechs Jahre lang spielte er beim US-Profiklub Los Angeles Dodgers. Und auch, wenn er es letztlich nicht in die höchste Liga schaffte, so stand er zumindest in der Farmteam-Hierarchie sehr weit oben - und das als Pitcher, auf der wichtigsten Position also. Der 24-Jährige ging auf das Regensburger Baseball-Internat und sah in der Rückkehr zu den Legionären die beste Möglichkeit, seine Karriere voranzubringen. Nun aber stagniert sie vorerst.

Die nächste Bundesliga-Saison hätte vergangenes Wochenende starten sollen, mit einem Freitagabend-Flutlichtspiel der Legionäre gegen Mannheim. Wegen der Corona-Krise aber ist der Spielbetrieb auf Anfang Mai verschoben worden. Und natürlich könnte es auch im Baseball passieren, dass die Saison komplett ausfällt. Ob die Legionäre dann den Titel gewinnen, ist aktuell eine ihrer geringeren Sorgen. Viel drängender sind die Liquiditätsfragen, die den Verein "mit aller Wucht" treffen, wie Vorstand Armin Zimmermann sagt.

Die Legionäre beherbergen auch einen Landes- und Bundesstützpunkt und halten Trainingscamps für Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland ab. Sollte der Klub also Probleme bekommen, diese Krise zu überstehen, hätte der gesamte Baseballsport in Deutschland ein Problem: Dann gäbe es in einigen Jahren wohl weniger oder keine Spieler wie Sven Schüller mehr, die den Sprung in die USA schaffen können. Auch der überaus erfolgreiche Major-League-Spieler Max Kepler entstammt ja dem Regensburger Internat. Hier wurde ein kleines, professionell geführtes Baseball-Imperium geschaffen. Ohne diese Infrastruktur könnte die gesamte Sportart in Deutschland auf Amateurniveau fallen.

12 000 Euro pro Monat kostet allein das Areal der Legionäre

In diesen Zeiten "wird einem richtig bewusst, wie viele Existenzen dranhängen, und für wie viele Leute man Verantwortung trägt", sagt Zimmermann. 80 Mitarbeiter seien von der Krise betroffen, für 30 wurde bislang Kurzarbeit beantragt. Eines der größten Probleme ist, dass die Legionäre - im Gegensatz zu den meisten anderen Vereinen - ihr eigenes Stadion unterhalten. Die Kosten für die Armin-Wolf-Arena belaufen sich auf etwa 12 000 Euro im Monat. Laut Bayerischem Landes-Sportverband (BLSV) ist die Instandhaltung eigener Sportplätze derzeit die größte finanzielle Belastung für Amateur- und Randsportklubs. Bei den Legionären ist es aber nicht die Einzige. Das nun geschlossene Internat verzeichnet einen fünfstelligen Mietausfall, das geschlossene Stadion-Restaurant macht Umsatzeinbußen von ca. 2000 Euro täglich aus. Der Klub spricht sich für Geisterspiele aus, sofern der Spielbetrieb auf diese Weise gesichert werden kann. Denn immerhin gibt es auch Legionäre TV, das die Heimspiele live im Stream zeigt. "So könnte man gegenüber Sponsoren argumentieren: Ihr seid präsent mit euren Werbeflächen", sagt Zimmermann.

Die München-Haar Disciples hatten schon vor der globalen Krise feststellen müssen wie schwer es ist, einen Baseballverein privatwirtschaftlich zu führen. Das Experiment, deutlich mehr Zuschauer anlocken zu wollen und um die Meisterschaft mitzuspielen, darf nun auch durch die Folgen des Coronavirus als beendet gelten: Eine GmbH gibt es nicht mehr, auch keine hauptamtlichen Mitarbeiter. Anfang des Jahres hatte man in Alex Tufts einen neuen Trainer vorgestellt. Die Disciples hatten ihm einen Job in besorgt, Tufts zog um - und befindet sich nun in Kurzarbeit. Ein neuer Pitcher aus den USA, Tanner Simpson, reiste gar nicht erst an. Die laufenden Kosten halten sich in Grenzen, doch auch Vorstandsmitglied Tom Wolf spricht von einer "echten Bedrohung für den gesamten Baseballsport".

Die hauseigene Academy für Jugendliche generiert gerade keine Einnahmen, Sponsorengelder sind eingefroren, die Ligagebühren an den Verband aber schon abgebucht. Und dann war der Verein auch unmittelbar betroffen: Im März hatte sich ein Spieler der Disciples mit dem Coronavirus infiziert, die Mannschaft sich sofort in Quarantäne begeben. Auch im Baseball ist nun das große Warten angesagt, ob und wie es weitergeht.

© SZ vom 06.04.2020

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