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Baseball:Der Albtraum beginnt

Die Saison der amerikanischen Profiliga MLB hat gerade erst begonnen, und schon droht Ungemach. 17 Corona-Fälle in einem Klub bringen den ganzen Spielbetrieb in Gefahr: Die infizierten Profis sind auf ihren Reisen bereits anderen Teams begegnet.

Rob Manfred ist der Chef der nordamerikanischen Baseball-Profiliga MLB, und es scheint ihn nicht zu beunruhigen, dass Ungemach droht. Dabei ist die Major League Baseball (MLB) nur wenige Tage nach dem Saisonbeginn in heller Aufregung: Mit dem Coronavirus infizierte Spieler bei den Miami Marlins könnten den gesamten Ligabetrieb lahmlegen, die ersten Spiele mussten bereits verschoben werden. Doch Manfred behauptet: "Ich stecke das nicht in die Kategorie Albtraum."

Mindestens 17 Mitglieder der Marlins haben sich infiziert, das hat Auswirkungen auch auf andere Teams: auf die Atlanta Braves, gegen die Miami in der vorigen Woche die ersten zwei Spiele der auf 60 Partien verkürzten Saison bestritt; auf die Philadelphia Phillies, Gegner der Marlins am Wochenende; auf die New York Yankees, die seit Montag in Philadelphia zu Gast sind - das erste Spiel wurde bereits abgesagt. Die Liga hat die Partien von Miami am Dienstag nun vorerst ausgesetzt, erst in der kommenden Woche soll es dann für das Team weitergehen. Dave Martinez, Manager von Titelverteidiger Washington Nationals, sagte: "Ich habe wirklich Angst. Man sieht, wie sich ein halbes Team infiziert und von Stadt zu Stadt reist."

Als "Desaster" und "Albtraum" bezeichnen US-Medien das Geschehen in der MLB, die ihre Saison nicht wie die Basketball-Liga NBA (alle Spiele in Disney World) und die Eishockey-Liga NHL (in Edmonton und Toronto) in einem überschaubaren Rahmen spielt. Die Baseball-Partien finden in den Stadien der 30 Klubs statt - eine Ausnahme sind die Toronto Blue Jays, die wegen der Bestimmungen in Kanada ihre Heimspiele in Buffalo im US-Bundesstaat New York bestreiten. Die vielen Reisen begünstigen die Verbreitung des Virus.

Die MLB wähnt sich auf alles vorbereitet, im 113 Seiten starken Konzept fehlen aber Maßnahmen zur Bewältigung eines Corona-Ausbruchs. Nach Informationen des Sportsenders ESPN geht die Liga davon aus, dass sich Miamis Spieler und Betreuer auf dem Rückflug aus Atlanta ansteckten - Piloten und Servicepersonal gehören nicht zum Sicherheitskonzept. Das funktioniere, findet Manfred, es müsse nur angepasst werden. Er bleibe optimistisch, dass die Saison ausgetragen werden könne. Die Football-Liga NFL wird die Entwicklung beobachten: Sie will ihre Saison im September starten, zwar ebenfalls ohne Zuschauer, aber eben auch in den Stadien der 32 Klubs im ganzen Land.

© SZ vom 29.07.2020 / SID

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