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Afrika-Cup:Essam heißt Schutz

Egypt's Essam El-Hadary celebrates their first goal

Rückkehr eines Pharaos: Der eigentlich schon abgeschriebene Torwart-Senior Essam El Hadary hat großen Anteil am Finaleinzug des ägyptischen Nationalteams.

(Foto: Mike Hutchings/Reuters)

Essam El Hadary, 44, ist der Held des Afrika-Cups. Angereist als dritter Torhüter, hat er Ägypten mit seinen Paraden ins Endspiel geführt - und will noch nicht aufhören.

Der, der Held dieses Afrika-Cups in Gabun werden sollte, war vor dem Halbfinale am Mittwochabend längst abgereist. Pierre-Emerick Aubameyang, von dem sie beim Heimturnier erwarteten, dass er die gabunische Nationalmannschaft möglichst ins Finale schießt, schied bereits nach der Gruppenphase aus. Der Bundesliga-Torjäger stürmt schon wieder für Dortmund.

Der Held in Gabun, das ist ein anderer. Einer, der der Vater oder der Trainer vieler seiner Kollegen sein könnte: ein 17 Jahre älterer und deutlich faltigerer Mann als Aubameyang. Er heißt Essam El Hadary, ist 44 Jahre alt und hütet das Tor des Finalisten Ägypten, der am Sonntagabend (20 Uhr) auf Kamerun trifft.

Im Halbfinale gegen Burkina Faso (5:4 n.E.) hielt El Hadary im Elfmeterschießen zweimal. Beide Male ließ er sich dabei nach links fallen, was früher vielleicht schon einmal leichtfüßiger als am Mittwoch ausgesehen haben mag. Aber beide Male schnellte anschließend die rechte Pranke des "afrikanischen Buffon", wie sie ihn in Ägypten seit Jahren nennen, blitzschnell nach oben. "Unser Ziel war, das Elfmeterschießen zu erreichen. Das haben wir geschafft. Und da hatten wir die besseren Nerven und den besseren Keeper", lobte Trainer Hector Cuper, ehemals beim FC Valencia und Inter Mailand.

"Für mich ist das Alter nichts weiter als eine Zahl"

El Hadary, der Pharao der "Pharaonen", so der Spitzname des Nationalteams, hat großen Anteil daran, dass die Rekordsieger ihre nächste Afrikameisterschaft feiern könnten. Während andere gleichaltrige ehemalige Fußballer mit Arthrose durchs Leben humpeln, ist El Hadary immer noch gut drauf: "Für mich ist das Alter nichts weiter als eine Zahl. Ich bin ein Profi und solange ich noch etwas beitragen kann, werde ich alles tun, um in Bestform zu bleiben", so wird er auf der Fifa-Website zitiert.

Dabei war El Hadary eigentlich schon lange emeritiert. Dass er noch einmal in der ägyptischen Nationalmannschaft spielen sollte, schien vor einem Jahr unwahrscheinlich. Doch dann nominierte ihn Cuper im Juni 2016 zum Qualifikationsspiel gegen Tansania. Der alte Mann zwischen den Pfosten überzeugte. Nach Gabun reiste er als dritter Mann, erst verletzte sich die Nummer zwei. Im ersten Gruppenspiel erwischte es dann auch noch Stammtorhüter Ahmed El Shenawy. El Hadary wurde zum ältesten Torhüter der Afrika-Cup-Geschichte: "Als El Shenawy tatsächlich raus musste, habe ich keine Sekunde gezögert, auf den Platz zu gehen und meine Pflicht zu tun."

Seine Rolle fand er schnell: "Keiner meiner Mitspieler hier hat jemals an einem Afrika-Cup teilgenommen. Also muss ich ihnen Sicherheit geben, sie im Spiel beruhigen." Die meisten der Spieler um Mohamed Salah (AS Rom) oder Mohamed Elneny (FC Arsenal) haben ihm als Jungs vor dem Fernseher zugeschaut.

In Afrika-Cup-Spielen war er mehr als zehn Stunden ohne Gegentor

Im Anschluss an die Einwechslung im ersten Spiel blieb er 433 Minuten ohne Gegentor, lediglich der Ex-Bundesligastürmer Aristide Bancé von Burkina Faso bezwang ihn im Halbfinale. Insgesamt blieb er bis zu Bancés Tor seit dem Viertelfinale 2010 sogar zehn Stunden und 53 Minuten ohne Gegentreffer auf dem Feld in Afrika-Cup-Einsätzen. Den wichtigsten Titel Afrikas hat El Hadary mittlerweile viermal gewonnen, 1998, 2006, 2008 und 2010, genauso oft wie der frühere Mitspieler Ahmed Hassan. Am Sonntagabend könnte Essam El Hadary dann alleiniger Rekordsieger sein.

2006 wurde er zum stärksten Torhüter Afrikas gewählt, Didier Drogba, der mit der Elfenbeinküste damals Finalgegner im Afrika-Cup war und dabei im Elfmeterschießen an El Hadary scheiterte, adelte Essam El Hadary: "Das ist der beste Torwart, gegen den ich je gespielt habe."

Essam bedeutet übersetzt übrigens so viel wie "Schutz" oder "Absicherung". Eine Karriere als Torwächter war also quasi vorprogrammiert; eine Karriere, die Essam El Hadary nach dem Turnier nicht etwa beenden will. "Ich bin stolz darauf, aber eine WM-Teilnahme ist für jeden Spieler ein besonderes Ereignis", sagt er. 2018 will er nach Russland und den bislang ältesten Spieler der WM-Geschichte Faryd Mondragón ablösen. Der war 2014 in Brasilien 43 Jahre alt.

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