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Die besten Blogs zu:DOKTORARBEITEN

Häme und Spott, aber auch Unterstützung.

Zusammengestellt von Florian Fuchs

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat seinen Doktortitel zurückgegeben. Er habe "möglicherweise den Überblick über die Quellen verloren" und stehe "zu dem Blödsinn". Im Netz bestand schon vor seiner Erklärung wenig Zweifel, dass der CSU-Politiker abgeschrieben hat. Zahlreiche Blogger beschäftigen sich mit dem Thema, vor allem Blogs von Wissenschaftlern verurteilen den CSU-Minister. Häme und Spott gibt es in Foren und bei Facebook, aber auch Unterstützung.

Bundestag befasst sich mit Guttenbergs Promotionsaffaere

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) blättert während einer Fragestunde am 23. Februar 2011 im Bundestag in Berlin in der Affäre um seine Doktorarbeit in Unterlagen. Guttenberg hält an seinem Amt fest.

(Foto: dapd)

Auf Guttenbergs Profilseite bei facebook.com bezeichnet Christian Iffland Guttenberg als "Googleberg" und "Teflonminister", dessen Motto sei: "Kopieren geht über studieren". Fans des Ministers sind jedoch in der Überzahl, ihr Motto lautet: "Kopf hoch und nicht unterkriegen lassen." Guttenberg bleibe eine Lichtgestalt in der deutschen Politik. Viele drücken es mit Angela Merkel aus: Guttenberg sei Verteidigungsminister, kein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Alles halb so wild also.

Das sehen die Nutzer von de.guttenplag.wikia.com , wo die Arbeit auf abgeschriebene Stellen geprüft wird, mehrheitlich anders. Ein Kommentator schreibt: "Zum Glück habe ich im nächsten Semester kein Proseminar zu geben. Ich wüsste im Moment nicht, was ich sagen sollte zu solchen Marginalien wie wissenschaftlicher Redlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Originalität." Mit der Rückgabe des Doktortitels sei es nicht getan, ein Rücktritt die einzige Möglichkeit. Wissenschaftler argumentieren ähnlich: Historiker Christian Jung stellt auf www.scienceblogs.de/zeittaucher fest, dass ein Student oder Gymnasiast, der sich bei Haus- oder Seminarkursarbeiten ähnlich verhalten würde, sein Studium nicht fortsetzen oder sogar das Abitur nicht bestehen würde.

Andere Wissenschaftsblogs beschäftigen sich mit der Frage, was der Fall für den Hochschulbetrieb und für die Haltung der Bundesregierung in Urheberrechtsfragen bedeutet. Thomas Stadler warnt auf www.internet-law.de , dass es pikant sei für die Bundesregierung, dass die "Lüge des Ministers" mit einer nicht ganz unerheblichen Urheberrechtsverletzung einhergehe. Sonst betone die Regierung, dass man den Kampf gegen die Verletzung des geistigen Eigentums, insbesondere im Internet, verschärfen und die Position der Urheber stärken müsse. Historiker Klaus Graf kritisiert indirekt die Universität Bayreuth, wenn er sich bei Archivalia unter archiv.twoday.net wundert, dass sich eine "Summa cum laude"-Dissertation als Flickenteppich aus nicht hinreichend gekennzeichneten Übernahmen aus anderen Arbeiten herausstellt.

Und beim netethicsblog der Universität Konstanz (www.inf.uni-konstanz.de/netethicsblog ) wirft Professor Rainer Kuhlen die Frage auf, ob es deshalb nicht sinnvoll wäre, wissenschaftliche Arbeiten grundsätzlich im Internet durch Open-Access-Software offenzulegen. Wenn Autoren davon ausgehen müssten, dass jedermann ihre Arbeiten lesen könne, würden sie mehr Sorgfalt üben. Akademische Schriften sollten deshalb künftig verpflichtend elektronisch veröffentlicht werde.

© SZ vom 23.02.2011/ib

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