Kolumne "Mitten in ..."Sex in the City

In Berlin trennt die Mauer nicht mehr, sondern bringt Menschen zusammen - und zwar ganz schön nah. Und in Umbrien braucht eine Kassiererin gute Nerven.

Mitten in ... Berlin

Die Berliner East Side Gallery ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Das längste zusammenhängende Stück der Berliner Mauer, an einer Seite bunt bemalt, an der anderen zieht sich ein Grünstreifen entlang. Überall sind Touristen unterwegs, zu Fuß, auf Fahrrädern, an den Kiosken und Imbissbuden rundherum. Irgendwo dazwischen steht man an einem warmen Spätsommertag mit seinem Gesprächspartner, um ein Interview zu führen. Der Mann stockt immer wieder, runzelt die Stirn, wirkt fahrig. Ob ihm die Temperatur zusetzt? Oder das Thema, die Berliner Mauer und ihre Geschichte? Bevor man fragt, folgt man seinem Blick. Und sieht das Pärchen auf dem Grünstreifen, nur wenige Meter entfernt. Die beiden haben ganz offensichtlich Sex. Was man eben in Berlin so macht, am helllichten Tag an einer überlaufenen Touristenattraktion.

Verena Mayer

SZ vom 14. September 2018

Bild: Marc Herold 9. September 2018, 15:312018-09-09 15:31:12 © SZ/edi