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Reisebuch zum Segeln:Ab in die Bucht

Auf einem Segelboot zwischen Inseln kreuzen: Zwei Kapitäne machen mit einem neuen Reisebuch Lust auf entspannte Tage auf See.

Rezension von Stefan Fischer

Absolute Sicherheit gibt es nicht, auch nicht an Bord eines Segelbootes. Die Crew trifft auf die Passagiere, alle zusammen gehen in den Häfen immer wieder an Land, bummeln durch Dörfer und Städte, besuchen Restaurants. Und doch ist das Risiko, sich mit dem Covid-19-Virus zu infizieren, bei einem Segelurlaub geringer als bei vielen anderen Ferienvergnügen. Zumal wenn man es so angeht wie Dayyan Armstrong und Ross Beane.

Die beiden Amerikaner haben vor rund zehn Jahren das Sailing Collective gegründet, einen spezialisierten Reiseveranstalter, der Gäste an Bord nimmt, denen beim Segeln an ein paar Tagen Weltflucht gelegen ist - und auf gehobene Kulinarik. Ein Koch ist stets mit an Bord, und je unwegsamer die Küsten und Buchten von der Landseite her sind, die angesteuert werden, desto besser. Es geht um Eskapismus und Exklusivität.

Nun haben Armstrong und Beane einen "Reiseführer für ozeanische Fluchten" veröffentlicht, wie ihr Band "Sailing the Seas" im Untertitel heißt. Trotz etlicher Serviceinformation ist das Buch, das zwar in dem deutschen Gestalten Verlag und trotzdem in (leicht verständlicher) englischer Sprache erscheint, vor allem ein Bild- und Leseband. Er gibt ein paar Tipps, erleichtert die eine oder andere Planung - macht jedoch vor allem Lust auf entspannte Tage auf See. Die Mehrzahl der Törns findet im Mittelmeer statt, im letzten Drittel des Buches geht es an die US-Küsten, in die Karibik und ganz zum Schluss nach Madagaskar, Thailand und in die Südsee.

Lieber als entlang von Festlandküsten segeln Armstrong und Beane durch Inselgruppen. So halten sie sich das Land am besten vom Leib, selbst wenn sie doch einmal an Land gehen. Weil die Inseln und ihre Bewohner selbst schon auf Distanz sind zum Festland. Und etwa die Äolischen Insel, die Inseln des Dodekanes oder auch die Inseln in der Penobscot Bay in Maine, der Heimat der beiden Autoren, die mit dem Alltag auf dem Festland und speziell in den urbanen Zentren wenig zu schaffen haben. Die Bewohner dieser Inseln leben selbst von und mit dem Meer, es weckt in ihnen dieselben Sehnsüchte wie bei den Seglern. Die Insulaner haben ihr Leben auf das Wasser hin ausgerichtet.

Nun ist aber natürlich jedes Stückchen Land eine Attraktion; Segeln wäre nicht halb so attraktiv, wenn es nicht heimelige Buchten, spektakuläre Steilküsten, hübsche Dörfer und gute Fischlokale gäbe. Dieser Wechsel aus Annäherung und Rückzug prägt "Sailing the Seas". Und der Band zeigt vor allem das Mittelmeer aus einer eher ungewohnten Perspektive: eben häufig vom Wasser aus, naturgemäß aus der Untersicht, höchstens zwei oder drei Meter über dem Meeresspiegel befindet sich die Kamera von Dayyan Armstrong. Es sind Ausblicke, die man vom Land aus so nicht hat, selbst wenn man, an ihr stehend, eine Küstenlinie hinunterschaut.

Eine ebenso große Rolle wie das Segeln spielt das Ankern. Langsamkeit wird hier als eine Tugend verstanden. Es geht nicht um Segeln als Sport, sondern als Lebensstil. Es geht um den Traum von einer großen Freiheit, der sich auf solch einer Reise mitunter verwirklichen lässt.

Dayyan Armstrong, Ross Beane: Sailing the Seas. A Voyager's Guide to Oceanic Getaways. Gestalten Verlag, Berlin 2020. 268 Seiten, 39,90 Euro.

© SZ vom 03.09.2020

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