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Reisebilder aus Island:Hinter dem Nebel

Der Bildband von Heike Ollertz und Edgar Herbst zeigt die Farben Islands in kühler Klarheit. Und dazu Menschen, die so ungewöhnlich sind wie das Land, in dem sie leben.

Von Birgit Lutz

6 Bilder

Island

Quelle: Heike Ollertz, Island, Mare

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Der Bildband von Heike Ollertz und Edgar Herbst zeigt die Farben Islands in kühler Klarheit. Und dazu Menschen, die so ungewöhnlich sind wie das Land, in dem sie leben. Eine Rezension von Birgit Lutz

Jeder Fotograf, der etwas auf sich hält, scheint in den vergangenen Jahren in Island gewesen zu sein. Das Ergebnis ist eine gefühlte Schwemme an Island-Bildbänden, die beim Betrachter bereits zu einem gewissen Sättigungsgefühl geführt hat, was nebelverhangene Eilandmystik angeht. Warum sich also noch einen weiteren Band über die Insel anschauen? Warum also "Island", herausgegeben von Nikolaus Gelpke, mit Fotografien von Heike Ollertz und Edgar Herbst?

Weil diese Bilder anders sind als die meisten Island-Fotografien. Kräftiger. Deutlicher. Knalliger. Weil aus ihnen das gleiche irre Licht strahlt, das auch über der Insel liegt, an den Tagen, an denen sich der Nebel verzieht.

Küste in Island

Quelle: Heike Ollertz, Island, Mare

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Heike Ollertz hat es eingefangen, jenes Licht, das die Farben greller und klarer strahlen lässt, das einem hineinfährt in den Kopf und in die Seele. Alles ist in Bewegung auf dieser Insel, geboren aus Vulkanen und immer noch weiter wachsend, aufreißend, dampfend, tobend. Wild ist die Insel und wild sind Ollertz' Bilder. Mit ihrer handgefertigten Alpa 12 mit einer Negativgröße von sechs mal neun Zentimetern fängt Ollertz die Bewegungen ein, das Dampfen, das Dahintreiben des Schnees, das Wandern von Licht und Schatten über schneebedeckte Felder.

Es ist ihre Art des Fotografierens, die dieses Buch so besonders macht, die analoge Fotografie, die die Farben so wiedergibt, wie sie auf der Insel leuchten, kombiniert mit einem Blick, der Ollertz Muster in Landschaften erkennen und Schönheit auch auf einem Parkplatz sehen lässt. Sie findet Motive, die man so vielleicht nicht einmal gesehen hat, wenn man selbst auf Island war.

Island

Quelle: Heike Ollertz, Island, Mare

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Heike Ollertz fotografiert nicht die Katalogansichten der Insel, sie zeigt Fabrikhallen, die Schlote der Geothermiekraftwerke und Siedlungen im Schneeregen. Doch bei ihr wird die Insel im Nordatlantik zu einer archaischen Schönheit selbst dort, wo sie öde ist, trist und urban.

Kongenial zu Ollertz' Landschaftsfotografien wirken die Aufnahmen von Edgar Herbst, der sich den Menschen Islands genähert hat.

Island

Quelle: Edgar Herbst, Island, Mare

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Herbst, einst Gesellschaftsfotograf der Reichen und Schönen und heute nur noch für Liebhaberprojekte zu gewinnen, ist der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie treu geblieben. Er hat diesen besonderen Menschenschlag Islands eingefangen beim Feiern, und diesen Bildern sieht man an, dass Herbst einst dem Partyvolk der großen Städte in Mitteleuropa auf den Fersen war. Der Fotograf hat die Momente abgepasst, in denen schöne Frauen stolz in die Kamera blicken am Beginn des Abends und enthemmte Paare am Ende der Nacht durch Nebelschwaden springen.

Island

Quelle: Edgar Herbst, Island, Mare

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Er hat die Menschen porträtiert bei ihrer Arbeit, beim Rauchen, an der Tankstelle, in dicken, filzigen Norwegerpullovern und hippen Trainingsanzügen, sie blicken an ihm vorbei und mitten hinein in seine Kamera, es sind Bilder, die einen fesseln, die Augen der Menschen, ihre Mienen, ihre stolze Haltung. Edgar Herbst hat die berühmteste Hexe der Insel besucht und Heavy-Metal-Freaks im entlegenen Fischerdorf Isafjördur, er hat nichts inszeniert, sondern das Leben dokumentiert.

Island

Quelle: Edgar Herbst, Island, Mare

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Auf diesen Bildern sitzt kein Fischer an einem Kai, das Netz flickend, jegliche Romantik erspart Herbst dem Betrachter. Bei ihm sitzt ein Netzmacher in seiner Werkstatt, ein muskelbepackter Mann, der an einer Zigarette zieht, einen Topf als Aschenbecher benutzt und eine Öltonne als Mülleimer. Er zeigt Menschen, die so ungewöhnlich sind wie die Landschaft, in der sie leben und die sie geprägt hat.

Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Island. Fotografien von Heike Ollertz und Edgar Herbst. Mareverlag, Hamburg 2012. 144 Seiten, 58 Euro.

© SZ vom 29.11.2012/dgr/kaeb

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