Mitten in AbsurdistanSommermärchen in der Mitternachtssonne

Island glüht bei zwölf Grad vor EM-Begeisterung. Und aus der bayerischen Provinz kommt ein Paar in die Münchner S-Bahn, das trotz Kuhglocke Orientierungshilfe braucht.

S-Bahn München

Mitten in ... München

Die bayerische Provinz hat dieses Paar offenbar in die Münchner S-Bahn geworfen, vorbereitet auf die Fahrt ist es nicht. Der Mann - in Tracht und mit einer Kuhglocke am Handgelenk - und seine mitreisende Dame haben keine Fahrkarte. Unsicher und sehr laut denkend schaut er auf den Streckenplan, fragt die Umsitzenden, ob sich ein Ticket noch lohne bis zum Hauptbahnhof. Ein kerniger Mann sagt: "Des kostet euch 120 Euro, wenn's erwischt werds." Er empfiehlt: in Trudering aussteigen, ein Ticket kaufen und dann weiter mit der U-Bahn. Das Paar bleibt unsicher, hakt nach, ob denn oft kontrolliert werde. Ja, sagen andere Passagiere: Oft. Der kernige Mann sagt nix, schüttelt den Kopf. Als das Paar unter dem Gebimmel der Kuhglocke aussteigt, grummelt er: "Wenn i ned grad Urlaub hätt, hättn's die 120 Euro glei zoin miassn."

Frank Nienhuysen

SZ vom 24. Juni 2016

Bild: dpa 26. Juni 2016, 10:102016-06-26 10:10:58 © SZ/edi