Mitten in ... Rom

Die Römer sind formidable Ironiker des Alltags, aus Reflex, und das ist gut so. Nehmen wir die "buche", die Löcher in den Straßen, im billigen Asphalt wie im schlecht bewirtschafteten Kopfsteinpflaster - eine alte Plage, tausendmal beklagt. Wenn es regnet, und es muss keine Sintflut sein, sackt allenthalben der Boden ein. Dann öffnen sich Krater, wahre Schlünde, und die Motorradfahrer kurven um ihr Leben. Auf der Viale Romania etwa, einer Straße im bürgerlichen Viertel Parioli mit Pinien zwischen den Fahrbahnen, klafft ein solches Loch, sautief. Die Polizei ließ es vor ein paar Wochen einzäunen, mit dem Wagen kommt man fast nicht mehr daran vorbei. Jemand hat die Tafel nun mit schwarzer Farbe angesprüht: "Achtung, archäologische Ausgrabungen", steht da. Dazu klein daneben, mit rotem Filzstift: "Vom 12. 3. bis . . .?" Tendenz ewig.

Oliver Meiler

SZ vom 1. April 2016

23. Mai 2016, 10:002016-05-23 10:00:14 © Süddeutsche Zeitung/ihe