Mitten in AbsurdistanEin Bier bitte, aber warm

Bei der Temperatur von Getränken kommen Deutsche und Kongolesen nicht zusammen. In Madrid scheitern deutsche Gutmenschen am Lärm. In Hongkong befeuern die Proteste die Ölmalerei.

Mitten in ... Madrid

Am Ausgang der Metrostation Gran Vía, der Prunk- und Protzmeile. Wer herauskommt, muss eine Metallschranke von sich wegschieben, sie knallt zurück auf einen Metallpfosten. Klick, klack, Dezibelwerte am Rande der Schmerzgrenze. Daneben steht ein Wachmann, er passt auf, dass kein Schwarzfahrer durch den Ausgang hineingeht. Klick, klack, tausend-, zweitausend Mal die Stunde. Bekümmert beobachten ihn zwei weibliche Gutmenschen älteren Semesters, erkennbar am grauen Bubikopf, dem Baedeker "Spanien - Norden - Jakobsweg" und dem Wörterbuch "Deutsch-Spanisch". Was heißt denn Gummipolster auf Spanisch?" Steht nicht drin. Aber Lärm: "ruido". Klick, klack. Eine der beiden geht zu ihm hin und fragt: "Macht der Lärm nicht krank?" Der Wachmann antwortet: "Ich verstehe Sie nicht, es ist so viel Lärm hier."

SZ vom 4./5. Oktober 2014 Von Thomas Urban

Bild: REUTERS 5. Oktober 2014, 13:172014-10-05 13:17:20 © SZ/ihe/sks