Seifenblasenkunst

Mitten in...Zürich

Ein sonniger Samstag, einige Hundert Menschen sitzen auf dem Zürcher Sechseläutenplatz. Vor zwei Jahren wurde hier Quarzit verlegt, die Steine sind auf fast alle Eventualitäten getestet worden: Elefantendung, Cola, Öl. Jetzt zeigt sich, wie viel Lauge sie vertragen. Punkt 15 Uhr beginnen die Leute, Seifenblasen in die Luft zu pusten. In Zürich versteht man in diesen Fragen eigentlich keinen Spaß. Gunnar Jauch, ein 70-jähriger Architekt und Straßenkünstler, wurde vom Ordnungsamt mit einer Buße von 250 Euro gestraft, weil er hier auf dem Platz "Seifenblasenkunst machte", unangemeldet. Die Regeln für Straßenkunst sind streng: exakt eingegrenzte Gebiete, Bewilligungsanträge. An diesem Tag steigen aus Solidarität mit Jauch Hunderte unangemeldete Seifenblasenkunstwerke in die Luft. Vom Ordnungsamt: keine Spur.

Charlotte Theile

SZ vom 04. April 2015

Bild: dpa 21. Juni 2015, 13:162015-06-21 13:16:47 © SZ/ihe