Mitten in AbsurdistanDie Macht der Schlüsselreize

Kleine Freude für Senioren in München, wirksame Abschreckung in Wien und Verlockungen für Souvenirjäger in London: SZ-Autoren berichten Kurioses.

Mitten in ... Hamburg

Amtsgericht Hamburg-Barmbek, erster Prozesstag gegen Graffiti-Sprayer Walter Josef F. alias "OZ". Schon geht der Verteidiger ins Grundsätzliche: Kunstfreiheit! Weshalb auch unbedingt Kunstprofessoren zu laden seien. Davor allerdings ergeht noch ein kleiner anwaltlicher Protest gegen die Kunst - der Gerichtszeichnerinnen. Die Frauen in der vordersten Reihe schauen verdutzt.

Sie mögen auf der Stelle den Stift zur Seite legen, sagt der Anwalt. Schließlich seien Fotos im Gerichtssaal verboten, und was unterscheide diese schon von einer Zeichnung? Ihr Arbeitgeber, eine Lokalzeitung, werde ihr Werk ohnehin später verpixeln, sagt eine Künstlerin.

"Was, eine Zeichnung verpixeln?" Ja, leider. "Ach so. Na dann." Später wird sie den Angeklagten vor der Tür leise fragen: Ob sie wohl eine Chance habe, ein Autogramm von ihm zu bekommen?

Ron Steinke, SZ vom 5./6.2.2011

Bild: dpa 9. Juli 2010, 17:482010-07-09 17:48:00 © Süddeutsche Zeitung/dd/kaeb