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Kommentar:Von Kühen und Menschen

In Österreich wird der Fall einer von einer Kuh getöteten Touristin zur Kanzlersache: Neue Leitlinien sollen den Umgang mit Almvieh reglementieren und rechtlich für die Bauern absichern.

Nun hat sich also die österreichische Bundesregierung höchstselbst der Causa "Kuh-Urteil" angenommen. Anfang der Woche präsentierte sie einen "Aktionsplan für sichere Almen". So befremdlich eine Pressekonferenz mit Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz zu vordergründig nebensächlichen Almfragen scheinen mag, ist solch ein Plan erst einmal logisch und richtig.

Und zwar, weil nach dem Tod einer 45-jährigen deutschen Urlauberin durch einen Kuhangriff in einem Stubaier Seitental, gefolgt von einem jahrelangem Rechtsstreit, völlige Verunsicherung unter Österreichs Almbetreibern herrschte. Denn auf Außenstehende mag die im Februar in einem - noch nicht rechtskräftigen - Urteil verhängte Strafe von 180 000 Euro plus einer monatlichen Rente an die Hinterbliebenen vielleicht unangemessen wirken. Für Landwirte ist sie existenzbedrohend. Die Ankündigung des Aktionsplans dient also erstens einmal dem Zweck, die erhitzten Gemüter der Bauern zu beruhigen.

Zweitens schafft sie mittelfristig eine wichtige Arbeitsgrundlage für die Tourismuswirtschaft, die von den Almen profitiert. Denn das Kuh-Urteil stellt die Destination Österreich wie eigentlich jedes Bergland vor das grundlegende Dilemma, ob das vom Touristen gemeinhin als attraktiv erachtete Gelände weiterhin uneingeschränkt offen zugänglich bleiben kann. Wurde doch genau dies dem Angeklagten zum Verhängnis: das Grünland, auf dem seine Tiere weiden, nicht ausreichend abgeriegelt, sondern es quasi der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt zu haben. Dabei soll die Ursache des Kuhangriffs sehr wahrscheinlich ein mitgeführter Hund gewesen sein. Das Problem ist eigentlich bekannt und wird auch publik gemacht. So warnen bereits vorhandene Ratgeber wie etwa die comicartig aufbereitete Broschüre "Eine Alm ist kein Streichelzoo" stets davor, dass Kühe aggressiv auf Hunde reagieren können. Verhindert hat das den tödlichen Unfall aber nicht.

Der Aktionsplan der österreichischen Regierung sieht nun einerseits genaue Empfehlungen für Almbauern, andererseits einen Verhaltenskodex für Wanderer vor. Die Eigenverantwortung der Almbesucher soll dabei nicht alleine eingefordert, sondern auch gesetzlich verankert werden. Nur stellt sich dabei zwangsläufig auch die Frage, wie es generell um diese Eigenverantwortung der Reisenden steht. Kollidiert sie doch oft genug mit der Mentalität vieler Urlauber, sich eher nicht auf die Fremde einlassen zu wollen. Dass es nun weitere Regeln und Richtlinien für einen Almbesuch braucht, ist daher auch als ein Appell an die Vernunft der Wanderer zu verstehen, sich schon im Vorfeld eingehend mit jenem Terrain zu befassen, in dem man als Gast unterwegs ist. Sonst bleibt nur eine Lösung. Und die wird garantiert nicht darin bestehen, die Almen für die Kühe zu sperren.