Mitten in ... Stuttgart

Ein unhippes Café im Stuttgarter Westen, ein paar Studenten, eine Mutter mit Kind - und als man sich gerade bei dem rückwärtsgewandt-selbstgerechten Gedanken erwischt, wie schön es ist, wenn ein Café mal aussieht, als trinke man schlichtweg Kaffee und suche nicht auf Buffalo-Plateau-Schuhen 2019-verloren nach sich selbst, sieht man ihn in der Ecke. Einen Mann Ende zwanzig, Laptop, Handy in der Hand, in den Ohren Kopfhörer. Er redet auf seinen Computer ein. "Super, dass das klappt mit dem Call", er habe viel zu tun gehabt. Bei ihm laufe es gut. "Wann hast du so den Urknall Instagram gehört? Haha, ja, bei mir war das letztes Jahr." Er stelle sich das so vor: ein Event auf einem Schiff, "kein Problem bei deinem Portfolio, oder?" Da tippt das Kind, ein Mädchen, so zehn Jahre alt, seine Mutter an: "Mama, ist das einer von diesen Leuten, die nicht arbeiten?"

Friederike Zoe Grasshoff

SZ vom 14. Juni 2019

Bild: Marc Herold 30. Juni 2019, 12:562019-06-30 12:56:00 © SZ/edi