Hundertwasser-Therme Die Kunst der Erholung

"Sie heißen Hundertwasser? Ich habe 100 Grad heißes Wasser. Wir sollten uns zusammentun." Die Worte des Unternehmers Robert Rogner waren der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit.

Von Peter Baumgartner

Mit der Therme im Rogner Bad Blumau schuf der Künstler Friedensreich Hundertwasser eine weitere Symbiose aus Kreativität und Nutzwert. Ein geschlossenes Hügelwiesenland verläuft auf den Dächern der Phantasiegebäude, die das "weltweit größte bewohnbare Kunstwerk" umgeben.

Der Blick fällt auf das Gesamtkunstwerk

(Foto: Foto: Baumgartner)

Hundertwasser liebte es "dunkelbunt", "ringelgrün" und "kugelrot". Und offensichtlich hatte er es auch gern warm. Dafür sorgen die drei heißen Quellen Kaspar, Melchior und Balthasar, die ihre 47 bis 110 Grad heiße Fontänen aus 2900 Meter Tiefe in die Becken der südsteirischen Therme schießen.

Alles etwas anders hier

Von einem ovalen Balkon fällt der Blick auf die Anlage des Rogner Bad Blumau. Die beiden Außenbecken sind organisch geformt. Um sie herum gruppieren sich verschiedenste Gebäude, die nur eines gemeinsam haben: Sie sind etwas anders, etwas phantasievoller und etwas bunter, etwas formenreicher und etwas "krummer".

Da gibt es das Rehrückenhaus, das Augenschlitzhaus oder das Waldhofhaus. Wer es gern ruhig hat, kann sich auch ins Schneckenhaus verkriechen. Der Meister selbst residierte einst - wie banal - im Ziegelhaus.

Die Fassaden der Häuser sind nicht einfach weiß, sondern kariert und gestreift, gelb und rot, ocker und azur. Die Fenster sind klein und groß, länglich und breit, kreisförmig und abgerundet. Die Dächer haben Zwiebel- und Glockentürme. Es ist ein bisschen wie im Märchen. Auf den Dächern der Therma darf man, ja soll man sogar laufen und spielen, ausruhen und herumliegen. Sie sind begrünt, über den Köpfen der Urlauber wachsen die Bäume in den Himmel. Und im Winter lässt es sich von den Rehrückenhäusern bestimmt auch schön hinunter rodeln.

Jedes Haus hat etwas besonderes. Die Rehrückenhäuser haben einen unterirdischen Zugang zur Therme, von den Augenschlitzhäusern kann man in der Abendsonne einen wunderbaren Blick über die Therme genießen und in den Waldhofhäusern kann man sich in ein überdimensionales Schneckenhaus zurückziehen. Sie sind bis über das Dach in die Erde eingegraben und nur über einen eigenen Tunnel erreichbar. Dafür haben sie einen kreisrunden Innenhof, den man mit niemand teilen muss. Etwas abgeschieden ist es, eher ein Platz für Eremiten.

Auch die Therme selbst lebt von ihren Formen und Farben. Selbst die Gänge sind leicht gewölbt. Die salzige Melchior-Quelle erwärmt das große Außenbecken auf angenehme 36 Grad. Im Whirlpool, der mit Massagedüsen genau in der Mitte des Beckens angelegt ist, lässt es sich entspannen. Das zweite Außenbecken ist mit 28 Grad etwas kühler und deshalb auch meist recht leer. Nur zu jeder vollen Stunde wird es lebendig, wenn im Wellenbad bis zu ein Meter hohe Wogen auf die Schwimmer zurollen.

Den Innenbereich dominiert ein riesiges Becken mit 36 Grad warmem Heilwasser, das sich schlangengleich durch die gesamte Therme windet. Die Badegäste relaxen in den Whirlpools und nehmen Kneippbäder, lassen sich in den Sprudelbecken von den Düsen durchmassieren und lassen sich von Wasserfontänen tragen.

Ganz billig ist ein Wellness-Aufenthalt in Rogner Bad Blumau vielleicht nicht gerade - dafür soll man die Erholungsstätte aber als "völlig neuer", nach Meister Hundertwassers Worten, "kunterbunter"Mensch verlassen...