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Hochsee-Angeln in Australien:Rausch mit Haken

"Verflucht prächtige Hurensöhne, aber nicht einfach zu kriegen": Auf der Jagd nach Marlin und Schwertfisch beim Hochsee-Angeln am Ningaloo-Riff kriegen selbst raue Australier einen erhöhten Puls.

Halb sechs am Morgen, über dem winzigen Ort Exmouth in Westaustralien bricht der Tag an. Schon jetzt 35 Grad, keine Wolke, der Himmel schwebt einem wie eine glühende Kuppel über dem Schädel. Eine Tankstelle gibt es hier draußen, eine Bäckerei, zwei Supermärkte, einen Tattoo-Shop, drei Burgerbuden, eine Marina, ein paar Resorts. Ein Nest in der Ödnis, oben am Northwest Cape, wo die Wüste aufhört und das Meer beginnt.

Überleben in Australien

Nicht ohne meinen Essig

In den nächsten vier Tagen aber wird es voll werden. Dann steigt das Internationale Australische Billfish-Turnier: die gezielte Jagd auf Schwertfische und Marlins, jene Hemingway'schen Großfische mit der mächtigen Rückenflosse, vielleicht die imposantesten Kreaturen der Meere.

Angler aus Südafrika, Singapur und halb Australien sind angereist, an die 100 Teams gemeldet. Schon vor Tagen trafen die ersten Motorboote ein, von Jeeps und Trucks über die einzige, sonst menschenleere Straße hierher geschleppt. Im Ort laufen derbe Kerle herum, aber auch Frauen und Junioren sind am Start. Sie sind zu erkennen an bunten Shirts, benäht und bedruckt mit Schwertfisch-Stickern, Marlin-Köpfen und Sprüchen, die verkünden: "Verrückt nach Fisch" oder "Gott erschuf uns als Erste".

Der äußerste Zipfel Westaustraliens ist beliebt bei Großfischfreaks. Hier draußen liegt das Ningaloo Reef, das größte küstennahe Korallenriff der Erde: Sandbänke, Lagunen, warmes, klares Meer. Der offene Ozean hinter dem Riff ist ein maritimes Füllhorn. Er wimmelt vor Haien, Mantarochen, Walen, Thunfischen, Bonitos und diversen Marlin-Arten. "Die Schwertfische aber sind die schönsten", sagt Mitch, einer von sechs Hochseeanglern aus dem Team von Käpt'n Wayne. "Verflucht prächtige Hurensöhne, aber nicht einfach zu kriegen."

Die nächsten Tage auf dem Boot sind für die Männer das Beste, was man mit Geld kaufen kann, nachdem sie monatelang in der Wüste unter einem 50 Grad heißen Firmament Eisenklumpen in die Luft gesprengt, Erzadern und Gold abgebaut haben. Wie viele hier arbeiten sie in den Minenfeldern tief im Outback. Doch wann immer sie können, fahren Mitch, Mick, Jack, Wayne und die anderen zum Fischen.

Auch diese Woche haben sie das Boot mal wieder 600 Kilometer durch das staubige, gottverdammte Nirgendwo bis an den Rand Westaustraliens getrailert, wo das Meer endlos ist und die ganz dicken Brocken schwimmen. Black Marlins, Blue Marlins, Sailfish, Broadbill, wie du's haben willst. Sie verstauen Wasser und Sandwiches, Köderfisch landet in einem Eimer mit Eis. Dazu schleppen sie einen halben Saloon an eiskaltem Bier an Bord. Es ist sieben Uhr morgens, als sie mit Vollgas aufs offene Meer rauschen.