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Frisch bezogen:Luxus mit Charakter

Draußen Pagen, innen Wlan: In Las Palmas auf Gran Canaria hat das älteste Hotel der Kanarischen Inseln neu eröffnet.

Neulich, sagt Manuel Martínez-Fresno Hernández, habe sich eine alte Dame im Hotel umschauen wollen. Als sie gesehen habe, wie schön das Santa Catalina geworden sei, habe sie geweint. Hernández erzählt diese Anekdote als Antwort auf die Frage, wie das neuerdings von der spanischen Barceló-Gruppe betriebene, frisch renovierte und im Februar wiedereröffnete Haus bei den Einheimischen ankommt. Und natürlich gehört es zu seinem Job, dass solche Antworten positiv ausfallen. Schließlich ist er "Royal Concierge" des Luxushotels - und das ist nicht irgendeines, sondern das älteste Hotel der Kanarischen Inseln, eines mit 130-jähriger Geschichte, eine denkmalgeschützte Institution in Las Palmas, der Hauptstadt von Gran Canaria, die gleichzeitig eine der beiden Hauptstädte des gesamten Archipels ist.

Hotel Santa Catalina in Las Palmas, Rooftop

Schwimmen mit Aussicht: Der neue Pool auf dem Dach des Hotels.

(Foto: Hotel Santa Catalina)

Die Canariones, die Einheimischen der Insel - nicht zu verwechseln mit den Canarios, den Kanarenbewohnern allgemein -, kennen Las Palmas nicht ohne das Santa Catalina. Hier haben mehrere Generationen Bälle, Hochzeiten und Taufen gefeiert, hier gingen sie auf einen Aperitif und speisten auf den Terrassen, nutzten Leseräume, Raucherlounges und ein Casino - was die emotionale Bindung vieler an das Haus erklärt. Für die Einwohner von Las Palmas war das im öffentlichen Parque Doramas zwischen Palmen, Drachenbäumen und Wasserspielen liegende Hotel schon immer im Alltag präsent.

Hotel Santa Catalina in Las Palmas / Gran Canaria, Außenansicht

Erbaut von britischen Familien im Jahr 1890: das Hotel Santa Catalina in Las Palmas.

(Foto: Hotel Santa Catalina)

Britische Familien ließen es im Jahr 1890 errichten. Sie kontrollierten den Handel zwischen Europa und Westafrika, wofür das nur 100 Kilometer Luftlinie von Marokko entfernte Gran Canaria der strategisch ideal gelegene Stützpunkt war. 1894 gründeten sie den ersten Reiseveranstalter der Kanaren, die Canary Islands Company - und setzten damit einen Besucherverkehr von den britischen Inseln in Gang, der bis heute anhält. Ein Faksimile des Gesellschaftsvertrages hängt im Hotel, zusammen mit historischen Fotografien. Die krisseligen Schwarz-Weiß-Bilder zeigen das Santa Catalina noch inmitten der Natur, auf Sand gebaut vor einem grünen Tal zwischen der Altstadt Vegueta und dem Hafen, der einst zu den größten der Welt zählte. Auf einer Fotografie aus dem Jahr 1906 ist der spanische König Alfons XIII. vor dem Hotel zu sehen. Er hatte die britische Hautevolee geladen, um deutlich zu machen, dass die Kanaren ihm, nicht dem Empire gehörten. Daneben hängen Detailzeichnungen des aus Las Palmas stammenden Jugendstilkünstlers Néstor Martín-Fernández de la Torre, mit denen dessen Bruder Miguel als Architekt in den 1950er-Jahren den vorletzten großen Umbau des Hotels vornahm. Für das Interieur entwarf Néstor unter anderem Möbel und arabeske Türblätter, die noch erhalten sind.

Nach dem Zweiten Weltkrieg füllte sich das Gästebuch mit illustren Namen: Könige und Politiker residierten im Santa Catalina, Musiker, Maler und Filmstars. Winston Churchill war hier, Maria Callas oder Gregory Peck während des Drehs von "Moby Dick". So schillernd soll es nun weitergehen, weshalb es bezeichnend ist für die erwartete Klientel, dass Manuel Hernández zum Royal Concierge berufen wurde - bislang war er für die Regierung der Kanaren weltweit mit protokollarischen Aufgaben wie Staatsempfängen betraut.

Hotel Santa Catalina in Las Palmas, Zimmer

Knüpfen an Grandhotel-Glanz an: die Zimmer im Santa Catalina.

(Foto: Hotel Santa Catalina)

Auch das neue Erscheinungsbild des in eineinhalb Jahren für 30 Millionen Euro sanierten Hotels bleibt der Tradition verbunden und knüpft an den alten Grandhotel-Glanz an, als würde es sich als Kulisse für einen Wes-Anderson-Film empfehlen: ein Prunkpalast im Kolonialstil mit typisch kanarischen Holzbalkonen, Arkaden, Erkern und Türmchen. Patios, die bislang überdacht waren, wurden freigelegt und zum Park hin geöffnet. Aller zeitgemäßer Komfort steckt in der alten Hülle. Draußen öffnen Pagen in roter Uniform die Türen der vorfahrenden Limousinen, drinnen gibt es 204 Zimmer mit Wlan, Regenwaldduschen und freistehenden Badewannen, dazu ein Spa, Pools und eine hippe Rooftop-Bar mit Blick auf die Industrieanlagen des Hafens, aber auch noch einzelne Möbel und den ganzen Marmor aus den Fünfzigern, hundertjähriges Holz, Vulkangestein und alte Wandgemälde, die Szenen aus dem bäuerlichen Leben zeigen. Was die subtropischen Kanaren an Lebensmitteln hergeben, kommt in drei Restaurants auf den Tisch. Das feinste heißt Poemas und wird von dem Sternekoch Juan Carlos Padrón und seinem Bruder Jonathan geleitet.

Concierge Manuel Martinez-Fresno Hernandez

"Royal Concierge" Manuel Martinez-Fresno Hernandez organiserte vorher Staatsempfänge für die kanarische Inselregierung.

(Foto: Barceló Hotel Group)

Bei aller Eleganz ist die Atmosphäre im Hotel entspannt, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Canariones die neuen Bars und Restaurants schnell wieder für sich entdeckt haben. Mit den gesichtslosen Häusern am Stadtstrand Las Canteras hat das Santa Catalina nichts gemein, schon gar nicht mit den All-inclusive-Bettenburgen in Maspalomas. Im landestypischen Ambiente mit Fünf-Sterne-Niveau trifft man keine Pauschalurlauber, sondern eher Kulturreisende, die sich auch für die nahegelegene historische Altstadt mit Wurzeln im 15. Jahrhundert interessieren, Kreuzfahrer, Geschäftsleute und die einheimische Upperclass.

Ebenfalls authentische, aber noch bodenständigere Kanaren-Erlebnisse bieten die Ausflüge, die man über das Hotel buchen kann: die "Etno-Experience"-Touren ins grüne Inselinnere des Wanderguides Rafa Molina. Er hat sich zum Ziel gesetzt, kleine Gruppen auf Augenhöhe mit den Einheimischen herumzuführen und diese vom Tourismus profitieren zu lassen. Er bringt seine Kunden beispielsweise zu Tanya und Francisco Gonzalez. Die beiden sind Anfang 30, haben nach der Wirtschaftskrise auf Schäfer umgesattelt und hüten nun 200 Tiere am Rande eines Vulkankraters; ihr Käse wurde schon oft prämiert. Doch die Waldbrände im vergangenen Sommer haben ihre Käserei zerstört, zurzeit bauen sie eine neue. Über Kunden freuen sie sich, gerade auch über Hotelgäste, die gute Dinge zu schätzen wissen.

DZ inkl. Frühstück ab 210 Euro, Suite ab 340 Euro, barcelo.com/de; etnoexperience.com

© SZ vom 13.02.2020
Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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