Frauenmuseum Entdeckung der Weiblichkeit

Ausgerechnet im Bregenzerwald gibt es das einzige Frauenmuseum Österreichs. Eine interessante Geschichte.

Von Johanna Pfund

Das einzige Frauenmuseum Österreichs findet man nicht in Wien, nicht in Salzburg und auch nicht in Innsbruck. Sondern ausgerechnet am nördlichen Rande des Bregenzerwaldes, im Dorf Hittisau, das gerade einmal 2000 Einwohner zählt. Das scheint ein skurriler Zufall zu sein, doch nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten hingegen wirkt das Museum an diesem Ort durchaus folgerichtig.

Denn der Bregenzerwald mischt auf einzigartige Weise Tradition und Moderne. Er ist eine idyllische Alpenregion, tief eingeschnitten in den Wiesen sucht die Bregenzer Ache ihren Weg gen Bodensee, die Alpwirtschaft in den höheren Regionen wird gepflegt, und die Dörfer bestehen fast komplett aus Holzgebäuden. Zum einen aus Häusern, die traditionell mit Schindeln verkleidet sind, zum anderen aus klar geschnittenen, modernen Holzbauten. Vom Bushäuschen über den Supermarkt bis hin zur Fabrik ist im Bregenzerwald jeder Neubau schick geplant. Die Bushäuschen wurden sogar von internationalen Architekten, etwa aus Russland oder Japan, entworfen - das Honorar bestand aus einem Urlaub in der Region. Auch das Frauenmuseum ist ein Architektenwerk, entwickelt von Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur-Sturm, die für das von ihnen geplante Vorarlberg Museum in Bregenz vor zwei Jahren sogar den Best Architects Award 14 in Gold erhielten.

Noch ein Heimatmuseum? Eine pfiffige Gemeinderätin hatte da eine bessere Idee

Also wegweisende Architektur für die Frauen. Das heißt nicht nur für die Frauen, so pragmatisch ist die Gemeinde dann doch. Im mittleren Bereich des kommunalen Zweckbaus hat der Musikverein seine Bleibe, im Untergeschoss residiert die Feuerwehr, die in Hittisau bis heute reine Männersache ist. Dass es überhaupt ein Frauenmuseum in Trägerschaft der Gemeinde gibt, das ist wohl Fügung oder Zufall, wie immer man es nennen mag. Eigentlich dachte die Gemeindevertretung vor knapp zwanzig Jahren darüber nach, im neuen kommunalen Mehrzweckbau ein Heimatmuseum einzurichten. Doch es gab und gibt ja schon zwei Heimatmuseen in der Nähe, eines in Bezau, ein weiteres in Schwarzenberg. Zufällig war damals Elisabeth Stöckler, geborene Hittisauerin, studierte Historikerin und Kuratorin, Mitglied der Gemeindevertretung. Sie schlug vor, ein Frauenmuseum einzurichten und fand mit ihrem Vorhaben letztendlich Gehör. Die Entscheidung, an der sie als Beteiligte nicht teilnehmen durfte, fiel einstimmig zugunsten des Museums aus. Was insofern nicht verwunderlich ist, als es in Hittisau keine politischen Parteien in der Gemeindevertretung gibt, sondern alle Kandidaten auf einer Liste antreten. "Meistens sucht man vorher einen Kompromiss und gibt dann einstimmige Entscheidungen nach außen", erzählt Helga Rädler, neben Direktorin Stefania Pitscheider Soraperra heute die einzige festangestellte Mitarbeiterin im Museum, das man wohl eher als Ausstellungsort begreifen kann.

Ein Museum mit Dauerausstellung war Hittisau nie. Von Anfang an setzte das Haus, bis Februar 2009 unter Leitung von Elisabeth Stöckler, auf wechselnde Ausstellungen. Mal ging es um weibliche Magie, mal um Europäerinnen, mal um das brave Weib, das zu Hause sitzt und reizende Sinnsprüche auf Kissen und Tischtücher stickt. Aktuell steht das ebenso regionale wie globale Thema Berg im Mittelpunkt. Die Geschichten von Alpinistinnen ebenso wie von Bergbäuerinnen sind an einzelnen Holzskulpturen im Museumssaal dokumentiert und aufbereitet.

Während die Feuerwehr Männersache ist, so ist das Museum reine Frauensache. 19 Mitarbeiterinnen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren, alle aus der näheren Umgebung, kümmern sich um die Ausstellungen, betreuen die Kasse und sind zugleich Ansprechpartnerinnen. "Für uns als Team ist es eine spannende Aufgabe. Alle, die sich für ein Thema interessieren, können mitarbeiten und sich zu Fachleuten entwickeln. Es ist einfach eine Bereicherung für alle", sagt Rädler. Dieser These stimmt Mitarbeiterin Renate Nussbaumer uneingeschränkt zu. "Wir wissen alle Bescheid und können etwas zum Thema sagen." Seit vier Jahren arbeitet Nussbaumer mit, eine Frau, die sich schon immer engagiert hat, die sich um häusliche Pflege gekümmert hat und nun wie ihre Kolleginnen als geringfügig Beschäftigte dafür sorgt, dass im Museum alles läuft.

Beachtung findet das Museum weit über den Bregenzerwald hinaus. 2010 erhielt es den Bank Austria Kunstpreis als beste regionale Kulturinitiative. Busreisende statten dem kühnen Bau gerne einen Besuch ab. So positiv die Wahrnehmung seitens des Publikums ist, so schwierig ist es manchmal im Ort selbst. "Wir ecken schon an", sagt Rädler. Aber damit hat die 49-Jährige keine Probleme. Das Museum wolle ja Bühne und Diskussionsraum sein. Und wenn Frauen über der Feuerwehr ihren Raum haben und in einer eher konservativen Gegend ausschließlich Frauenthemen ansprechen, so kann das schon Diskussionen geben. Doch Gleichgesinnte gibt es auf der ganzen Welt. Im November machen sich Pitscheider und Rädler auf zur internationalen Konferenz der Frauenmuseen in Mexiko City. Dort können sich die Vorarlberger Museumsfrauen Inspirationen holen, sich mit Kolleginnen austauschen und gegenseitig bestärken. Wobei es in Hittisau nicht an Ideen mangelt. "Uns werden die Themen so schnell nicht ausgehen", sagt Rädler. Auf dem Plan stehen die Baumeisterinnen der Massai - und die Pflege.

Aktuelle Ausstellung: "Ich, am Gipfel. Eine Frauenalpingeschichte", 14. Juni 2015 bis 26. Oktober 2016. http://www.frauenmuseum.at