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Grüngürtel-Radweg Frankfurt:Stadt mit Humor

Der Struwwelpeterbaum, ein Objekt von F. K. Waechter, steht in den Schwanheimer Wiesen. Die Kopfweide hat in der Dämmerung leuchtende Augen. Ab und an muss sie auch zum Frisör.

(Foto: Stefan Cop)

Ich-Denkmal, Pinkelbaum, Monsterspecht: Frankfurt hat nicht nur Hochhäuser und Verkehr, sondern auch eigenwillig gestaltete Natur.

Von Matthias Drobinski

Natur ist in Frankfurt immer relativ. Böse Zungen sagen, dass die Stadt vor allem ein Verkehrsknotenpunkt ist, der ein bisschen Platz für Häuser lässt, widerwillig auch für ein paar kleine Parks und das Mainufer. Wer in die Natur will, überquert Autobahnen und tunnelt Eisenbahntrassen, im Stadtwald meint man, die landenden Flugzeuge mit einem beherzten Sprung vom Himmel holen zu können.

Aber es gibt den Grüngürtel. 30 Jahre wird er in diesem Jahr alt, 1991 beschlossen Frankfurts Stadtverordnete, den Stadtwald, die Flusslandschaften an Nidda und Main, die Streuobsthügel des Berger Rückens zu schützen und einen Weg rund um die Stadt zu erschließen. Eine weise Entscheidung.

Für Radlerinnen und Radler ist dieser Rundweg 62 Kilometer lang. Man sollte sich für die Tour einen Tag Zeit nehmen und viele Pausen einplanen. Am Heiligenstock zum Beispiel, wo zwischen verwitterten Apfelbäumen die Ruinen des ersten Frankfurter Radiosenders bröckeln. Am Lohrberg mit seinem großartigen Blick auf die Bankentürme. Am Mainufer, dem Goetheturm, der Schwanheimer Düne oder am alten Militär-Flughafen, den Natur und Ausflügler gründlich demilitarisiert haben.

Wer Robert Gernhardt mag, den Frankfurter Humoristen, und die anderen Scherzbolde der Neuen Frankfurter Schule, der kann auf dem Grüngürtel einen Tag der komischen Kunst verbringen. An der Brücke zum alten Flughafen schnauft Gernhardts Grüngürteltier. Drunten am Main kann man auf Hans Traxlers Ich-Denkmal steigen, dann das Grüne-Soße-Denkmal bestaunen und im Wald F. K. Waechters Monsterspecht und Pinkelbaum. An der Nidda warten Kurt Halbritters Barfüßer und Chlodwig Poths Karikaturen unterm Weißdornbaum: "Wenn ich gefragt werde, wo ich wohne, sage ich jetzt immer: Sossenheim am Grüngürtel", sagt da der eine Typ. "Klingt toll, wie bei einem Urlaubsort oder so", erwidert der andere. Eben.

Der Weg ist asphaltiert oder fein geschottert. Fährt man, was empfehlenswert ist, im Uhrzeigersinn, geht die einzige nennenswerte Steigung hinauf auf den Berger Rücken, schwierig ist nur die steile Abfahrt hinunter zur Mainaue. Da sollte man das Rad nicht sausen lassen. Aber man will ja auch keinen neuen Grüngürtel-Rekord aufstellen.

Literatur-Tipp: Kreuz und quer durch den Frankfurter Grüngürtel: Touren, Tipps und Themen. Herausgegeben von der Projektgruppe Grüngürtel der Stadt Frankfurt am Main.

© SZ/mai
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