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Erste Erlebnisse auf Reisen:Heimweh auf der Alm

Ob ich zum Hüterbub taugte? Eher nicht. Die Eltern fanden aber, der Bub sollte mal auf die Alm. Da traf es sich gut, dass mein bester Freund, der Gustl, mit seinem Vater den ganzen Sommer auf der Seiser Alm verbrachte - in einer Hütte ohne Strom. Gut, dachte ich, der Gustl, die Kühe, da werd' ich schon kein Heimweh kriegen wie sonst immer. Als Gastgeschenk hatte ich eine große Wassermelone dabei. Auf dem steilen Weg zur Almhütte kam uns die Melone aus und explodierte an einem spitzen Stein.

Die Hütte war gemütlich, roch nach Milchfett und Mist. Abends hatte ich, klar, Heimweh, wofür ich mich schämte. Untertags aber liefen wir den Kälbern hinterher, drehten deutschen Touristen selbst gemachtes Arnikaöl an, übten uns im Messerwerfen an der Stadeltür. Vor allem aber gingen wir sehr oft runter in den Ort, um beim Sohn des Almbauern unter anderem die Fernsehserie "Bezaubernde Jeannie" zu schauen. Abends in der Kammer hätte ich mich gern, wie Jeannie, mit einem Augenzwinkern nach Hause gebeamt.

Hans Gasser

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