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Ende der Reise:Schlemmen unter den Wolken

Flugzeugmenüs freiwillig am Boden essen? Was klingt wie ein schlechter Scherz, ist in Asien schon Realität. Die größte Billig-Fluglinie hat jetzt ihr erstes Restaurant in Kuala Lumpur eröffnet und stößt damit auf große Nachfrage.

Essen im Flugzeug, wer würde da an kulinarische Höhenflüge denken? Oder gar das undefinierbare Etwas, das sie Beef oder Chicken nennen, freiwillig auch unten auf der Erde essen wollen?

Nicht so in Malaysia. Die größte Billigfluglinie Asiens, Air Asia, und deren lustiger Chef Tony Fernandes haben dem Druck der Passagiere nachgegeben und endlich in Kuala Lumpur das erste Air-Asia-Restaurant eröffnet. Dort gibt es nun die Gerichte aus dem Flugzeug auch ganz erdgebunden, statt in der Alu- in einer Kartonbox. "Wir haben in der gesamten Region einen erheblichen Appetit auf unsere Bordmenüs auch jenseits des Fliegers festgestellt", heißt es bei Air Asia. Das beliebteste Gericht der Fluglinie, "Pak Nasser's Nasi Lemak", Kokosreis mit Chilipaste und harten Eiern, gibt es nun für umgerechnet 3,20 Euro auch am Boden. Es wird jährlich in den Flugzeugen 2,8 Millionen Mal verkauft, am ersten Tag ging es im neuen Restaurant 1500 Mal über den Tresen. Ähnlich beliebt soll "Uncle Chin's Chicken Rice" sein. Fünf Restaurants und 100 Franchise-Filialen plant der Airline-Chef, am liebsten auch eine auf dem Times Square.

Einerseits: Chapeau! Andererseits: Wenn dieses Beispiel Schule macht und all die Lufthansas, Iberias und KLMs ihre - sofern noch vorhandenen - Bordmenüs in unseren Innenstädten anbieten, wie könnten sie die Kunden locken? Vorspeise: Variation an Erdnüssen im Alumantel. Hauptspeise: eisgekühlte Stulle mit zweierlei Vollkorn, Grand-Cru-Frischkäse, dazu Saft von der holländischen Tomate. Dessert: Joghurt an Edelkirsche. Ja, das könnte ein Geschäftsmodell mit Zukunft sein, jetzt, wo vor Flugscham ja eh alle am Boden bleiben.

© SZ vom 12.12.2019
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