Ende der Reise Kampf den Brechbeuteln

Der Reisende vermüllt, was er sauber halten möchte, indem er dort Urlaub macht. Das beginnt schon am Flughafen beim Essen und der Security-Tüte.

Von Dominik Prantl

Der Müll und das Reisen sind heutzutage ja kaum mehr zu trennen; da kann es noch so viele gelbe Säcke und grüne Punkte geben. Vielmehr lässt sich das Paradoxon beobachten, dass der Reisende zwar besonders sensibel auf jeden Müll reagiert, selbst jedoch eine noch viel größere Dreckschleuder ist als daheim. Man könnte - frei nach Enzensberger - auch sagen: Der Reisende vermüllt, was er sauber halten möchte, indem er dort Urlaub macht.

Das beginnt schon am Flughafen, wo einem der Sicherheitsbeamte erst einmal erklärt, die kleinen Kosmetikfläschchen unbedingt noch einmal in einen Plastikbeutel stecken zu müssen. Selbst in der Economy Class liegt die Decke luftdicht verpackt im keimfreien Plastikbeutel neben den Einmal-Plastikkopfhörern und den Einmal-Plastikzahnbürsten, während im Frachtraum gerade der in Plastik eingeschweißte Koffer verladen wird. Das Wasser zum Abendessen kommt in einem Plastikbecher, der wiederum in einer Plastiktasse auf einem Plastiktablett steht. Daneben Semmel, Butter, Minikäse, alles in Plastik. Wem davon übel wird, kann einen der folienbeschichteten Brechbeutel nutzen. Alleine die Lufthansa soll pro Jahr drei Millionen davon verbrauchen, wobei einem als Vielflieger die Vorstellung einigermaßen schwerfällt, dass in all diese drei Millionen Beutel auch wirklich erbrochen wird. Es wundert jedenfalls nicht, dass jeder Passagier laut IATA, dem Dachverband der Fluggesellschaften, durchschnittlich fast eineinhalb Kilogramm Abfall pro Flug hinterlässt.

So setzt sich das bei Ankunft fort. In Hotel und Kreuzfahrtschiff stehen Shampoo und Bodylotion gerne in Minifläschchen parat, Butter und Marmelade am Buffet in Portionspackungen, und selbst das gut gemeinte Lunchpaket enthält Saft in der Quetschtüte und ein Sandwich in Plastikschale. Selbst die Hausschuhe sind eingepackt! Logisch, dass sich Lösungsansätze und gut gemeinte Tipps von alleine ergeben: eigene Trinkflaschen, Schlappen und Shampoo mitnehmen. Schon klar.

Nur führt das Mitwirken bei der Entmüllung der Welt zwangsläufig auch zu inneren Konflikten. Läuft es unter gebührendem Widerstand gegen die Obrigkeit oder ist es schlicht deutscher Dünkel, wenn man einer Kassiererin in einem italienischen Supermarkt erklärt, dass sie die von der Natur gut verpackte Melone nicht in eine Plastiktüte einpacken muss. Sollte man die Zahlung verweigern, wenn das Plastiksackerl in österreichischen Discountern gratis hergeht, während der Biobeutel Geld kostet? Ist es ein Grund zur Revolte, wenn einem der Beamte an der Sicherheitskontrolle die Alu-Trinkflasche abgenommen hat? Und was, wenn die Tochter aus dem Brechbeutel einen wunderschönen, folienbeschichteten Einweg-Papierflieger baut?