Ende der Reise Die Tiere schlagen zurück

Wir reisen um die halbe Welt, um bestimmte Tiere zu sehen. Doch, wen wundert es: Sie wollen uns nicht sehen; kratzen, beißen oder klauen uns die Pommes aus der Tüte.

Von Hans Gasser

Mit der Natur ist es so eine Sache. Wir lieben sie, wir suchen sie, fliegen Tausende Kilometer, um die Korallenpracht im Roten Meer, die Berggorillas in Ruanda oder einen Grizzly in Alaska zu sehen. Dass wir mit der maßlosen Fliegerei und unserem generell recht verbrauchsorientierten Lebensstil natürlich all diese Tiere und ihre Lebensräume gefährden, verdrängen wir gerne.

Doch zuweilen kratzt, beißt und haut die Natur einfach zurück, lustigerweise tut sie dies oft in Gestalt ihrer eigentlich wehrlosesten Geschöpfe. Da müssen etwa Berghütten wochenlang gesperrt und unter Plastikfolie mit Gas bedampft werden, damit die gemeine Bettwanze, die sich in den Matratzenlagern angesiedelt hat, ihren Exodus antritt. Flugzeuge können nicht starten, weil Graugänse und Kiebitze den kurzen Rasen am Flughafen attraktiv finden zum Fressen und Brüten. Die Betreiber beschäftigen Vogelvergrämer, die mit Falken oder Habichten das störende Federvieh vertreiben, damit kein Unglück passiert. Und nun führte eine Maus an Bord eines Flugzeugs zu einer so langen Verspätung, dass die Fluglinie den Passagieren Schadenersatz zahlen musste.

Nun muss man aus der Maus keinen Elefanten machen, aber auch größere Tiere triezen uns Touristen, wo sie nur können. In Australien beißen Kängurus immer wieder Urlauber, die sie ja - trotz Verbots - einfach nur ein bisschen mit Karotten füttern wollen. Keine Dankbarkeit! Und gerade dringt eine Meldung - oder ist es ein Hilferuf? - zu uns, wonach längst nicht mehr die Menschen, sondern die Affen Herren über das berühmteste Grabmal der Welt, das Taj Mahal seien. Bis zu 10 000 Rhesusaffen haben das Umfeld der viel besuchten Touristenattraktion als hervorragende Futterquelle entdeckt: Die Essensreste von täglich bis zu 70 000 Touristen sind zu verlockend. Doch weil die Affen zunehmend aggressiv sind und Menschen gebissen haben, sah sich die Regierung nun zu Gegenmaßnahmen gezwungen: Mit Zwillen bewaffnete Polizisten sollen die Tiere vergraulen, indem sie ihnen ab und zu Kugeln auf den Pelz brennen. Abschießen will man sie nicht. Angesichts der Affen- und Menschenmassen am Taj Mahal hört sich das einigermaßen aussichtslos an. Viele Unfälle passieren übrigens, weil Menschen Selfies mit Affen machen wollen. Und da stellt sich die Frage: Wird der Affe vermenschlicht oder ist der Mensch ein Affe?